„Moorgeheimnisse“ von Sabine Buxbaum

In Beardmore in Kanada verschwinden regelmäßig die Bewohner eines Blockhauses im Moor auf unerklärliche Weise. Ein Geisterkult hat sich daraus entwickelt, über den Victoria eine Reportage verfassen soll. Doch bald ergeben sich Ungereimtheiten in ihren Recherchen und sie vermutet, dass mehr hinter den Vermisstenfällen steckt. Sie beginnt an den bisherigen Theorien zu zweifeln.

Noah ist Polizeichef in Beardmore und hält an der Unfalltheorie der vermissten Personen fest und ist genervt von den Geisterjägern, die ständig seine Arbeit stören. Aber als eine Reporterin aus Toronto in das beschauliche Dorf kommt, um zu recherchieren, geraten seine bisherigen Vermutungen ins Schwanken.

Bald merken Noah und Victoria, wie gefährlich es sein kann, alte Geister zu wecken.

Sabine Buxbaum | Kindle | Tolino

Beardmore, Kanada, Police Office

Noah Duncan lehnte am Fenster seines Police Office und starrte nach draußen in die in Nebel getränkte Landschaft.
„Kommt sie heute?“, hörte er seinen jüngeren und rangniedrigeren Kollegen Oliver fragen.
Noah drehte sich um und nahm an seinem Schreibtisch Platz. „Ich hoffe es“, antwortete er gereizt. „Sie sollte schon seit einer Stunde hier sein.“ Geduld war noch nie seine Stärke und Unpünktlichkeit konnte er schon gar nicht leiden. Außerdem hatte er keinen Bock auf den Auftrag, der ihm übertragen wurde. Das Blockhaus im Moor hatte ihm in der Vergangenheit schon zu viele Nerven gekostet. Er war erleichtert, als er hörte, dass es nun endlich zum Abriss freigegeben wurde. Künftig musste er keine Zeit mehr damit verschwenden, neugierige Leute, Influencer und Geisterjäger von dort zu vertreiben. Das verdammte Blockhaus hatte in den sozialen Medien seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen und nun pilgerten haufenweise Verrückte dorthin, in der Hoffnung, einen Geist zu treffen. Dabei drohte den Besuchern, selbst ein Geist zu werden. Ständig musste er mit seinen Kollegen und der Feuerwehr ausrücken, um im Moor hängengebliebene Autos herauszuholen oder Leute in Sicherheit bringen, die sich zu weit ins Moor vorgewagt hatten. Und jetzt kam auch noch diese Reporterin, als ob das Blockhaus nicht schon genug Publicity erlebt hätte.
„Was genau will sie hier?“, fragte Oliver.
„Sie will offenbar eine True Story über das Haus verfassen und damit hoffentlich den Humbug, der über die Hütte erzählt wird, zerstreuen. Jedoch bin ich mir nicht sicher, ob ich einer Reporterin trauen kann. Wir haben zu oft erlebt, wie die Presse Berichte über das Haus verfälscht oder aufgebauscht hat.“
Oliver nickte. „Wie lange will sie bleiben?“
„Anscheinend bis zum Abriss in sechs Wochen. Ich kann es kaum erwarten. Dann sind wir einige Sorgen los.“
Zumindest hoffte er das. Es zermürbte ihn, dass er das Rätsel um die vermissten Personen bis heute nicht lösen konnte. Was immer ihnen zugestoßen sein mochte, es war rätselhaft. Doch gewiss war es kein Geist oder Moorungeheuer, das sie verschlungen hatte.
Noah hatte sich oft als Versager gefühlt. Jedes Mal, wenn wieder Menschen verschwanden und er im Dunkeln tappte, was geschehen war. Obwohl er Beardmore als seinen Heimatort liebte, hatte er schon mehrfach darum gebeten, versetzt zu werden. Leider hatte niemand seiner auswärtigen Kollegen Interesse, das Geheimnis des Blockhauses zu lösen. Noah war erleichtert gewesen, als die Gemeinde beschlossen hatte, das Blockhaus nicht mehr zum Verkauf anzubieten. Das war vor zwei Jahren. Seit diesem Zeitraum verschwand dort niemand mehr spurlos. In sechs Wochen war dann wohl der Spuk endgültig vorbei. Aber zuerst musste er sich noch um diese Reporterin kümmern. Als hätte er nichts Besseres zu tun, wurde er beauftragt, sie zu begleiten und ihr alles zu zeigen. Sie schrieb angeblich für ein renommiertes Blatt in Toronto.
Oliver war in der Zwischenzeit aufgestanden, um sich Kaffee nachzufüllen. Es war heute nicht besonders viel los in Beardmore. Der Regen der letzten Tage hatte auch die Moortouristen abgehalten, in den Ort zu kommen.
„Da fährt ein Auto in die Einfahrt“, sagte er plötzlich. „Das muss sie sein. Sie sieht attraktiv aus.“
Noah stand auf und stellte sich neben ihn. Er beobachtete, wie eine junge Frau, die er auf dreißig schätzte, den Kofferraum ihres SUV öffnete, um eine Tasche herauszuholen. Sie hatte zusammengebundenes langes, braunes Haar und trug zu Noahs Befriedigung ländliche Kleidung. Mit Kleid und Minirock wäre sie bei ihren Moor-Recherchen fehl am Platz. Noah musste zugeben, dass sie einen sympathischen Gesichtsausdruck hatte.
„Dann lassen wir sie mal rein“, forderte er Oliver auf, der sogleich zur Tür rannte.
Oliver war fünfundzwanzig und kam unmittelbar nach Abschluss der Ausbildung nach Beardmore. Er hatte die Geschehnisse rund um das Moor nur aus Erzählungen mitbekommen. Sein Vorgänger hatte den Polizeidienst quittiert, nachdem ihm die Ereignisse in Beardmore psychisch zu stark mitgenommen hatten. Eine der vermissten Personen war seine Schwester gewesen. Was hatte sich damals verdammt noch mal zugetragen? Die fehlende Antwort ließ Noah verzweifeln. Er streifte seine Uniform zurecht, als die Reporterin den Raum betrat.

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