„Herbstfrüchtchen“ von Angelika Godau & Luise Klein

Endgültig vorbei, die traute Zweisamkeit von Oma Inge und ihrem Jonathan. Nach Tochter Sarah zieht nun auch noch ein Hund namens „Georg“ ein und macht sich in ihrem Bett breit.

Nicht zu vergessen Enkelin Lara. Die bewegt sich weiterhin cool und völlig respektlos durchs Leben und stößt jeden vor den Kopf, der sich um sie bemüht. So richtig in Rage gerät sie aber erst, als sie dahinterkommt, dass ihre Mutter eine neue Beziehung hat. Ab jetzt gibt sie alles, um nicht „am Ende in einer Großfamilie zu landen.“

Angelika Godau | Kindle | Taschenbuch

Alle Bände der Herbstfrühling-Reihe.

Inge Berger macht es sich auf ihrem Sofa bequem, schiebt sich ein weiteres Kissen unter den Kopf, schaut ihre Tochter an und sagt zögernd: »Wäre ich an deiner Stelle, würde ich trotzdem …«
»Du bist aber nicht an meiner Stelle und genau das ist dein Problem«, unterbricht diese sie unwirsch. »Du glaubst immer, alle Menschen müssten so denken und handeln wie du. Tun sie nicht, Mama, und ob du es glaubst oder nicht, du bist auch nicht in Besitz der allein seligmachenden Weisheit.«
»Das habe ich auch nie behauptet, aber du hast mich gefragt, also habe ich geantwortet.«
»Ich habe dich gefragt? Das wüsste ich aber. Ich habe dir lediglich meine Bedenken mitgeteilt, nicht um gute Ratschläge gebeten.«
Inge seufzt leise und schweigt fürs Erste. Sie betrachtet Sarah, die etwas entfernt von ihr im Sessel sitzt. Die Lippen fest aufeinandergepresst, beide Hände zu Fäusten geballt, starrt sie mit finsterem Gesichtsausdruck aus dem Fenster. Viel sehen wird sie nicht, denn die Scheibe ist vom vielen Regen beschlagen und die Dämmerung hat bereits eingesetzt. Ein trüber Spätnachmittag im November, schon fast dunkel, obwohl es erst kurz nach 16.00 Uhr ist. Inge betrachtet sie mit einer Mischung aus Ungeduld und Mitleid. Natürlich hat sie Verständnis dafür, dass es ihr nicht besonders gut geht, andererseits könnte sie aber auch froh sein, alles weitgehend gut überstanden zu haben. Vor mehr als zwei Monaten wurde sie an einem Hirntumor operiert und zur Sicherheit waren eine Reihe von Bestrahlungen notwendig. Nur darum war sie überhaupt bereit gewesen, Inges Vorschlag anzunehmen und für diese Zeit zu ihr zu ziehen. Vielleicht auch, weil ihre beiden Kinder, Lara und Lars, schon hier wohnten, seit sie in ihrer eigenen Küche kollabiert war. Die Operation war zum Glück erfolgreich verlaufen, aber die Nebenwirkungen der Bestrahlungen machten ihr zu schaffen. Natürlich trug auch die Wohnsituation nicht dazu bei, ihre Laune zu verbessern. Dazu kam, dass alle wieder von der nächsten Welle einer nicht enden wollenden Pandemie überrollt wurden. Omikron hieß die neueste Variante des Coronavirus und noch wusste keiner, welche Überraschungen sie mit sich bringen würde. Gute würden es gewiss nicht sein. Geschlossene Restaurants, Stadien und Konzertsäle, Test – und Maskenpflicht bestimmten weiterhin den Alltag, viel Abwechslung gab es daher nicht. Immerhin waren sie mittlerweile alle geimpft, sie und Jonathan sogar schon dreimal. Geboostert hieß das. Ein Wort, das vor zwei Jahren kaum ein Mensch jemals gehört hatte, war heute in aller Munde. Sie hatte sich lange mit Jonathan über das Für und Wider unterhalten und sich dann dafür entschieden. Sarah nicht. Obwohl sie wegen ihres geschwächten Allgemeinzustandes ganz sicher zu den Risikopatienten gehörte, konnte sie sich nicht dazu durchringen, sich auch noch ein drittes Mal impfen zu lassen. Wie so oft in letzter Zeit hatte das zusätzlich zu Streitigkeiten geführt.

Blick ins Buch (Leseprobe)

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