„ANCOS“ von Michael Hirtzy

Die komplette Bilder der Apokalypse Trilogie.

Erstmals alle drei Romane als ungekürzte Gesamtausgabe des dystopischen Science Fiction Thrillers in einem Band.

Michael Hirtzy | Kindle (unlimited)

BAND 1 – Vor dem Abgrund:
SIE SIND EIN WERKZEUG.
GESCHAFFEN, UM UNS ALLEN DAS LEBEN ZU ERLEICHTERN.
ANPASSUNGSFÄHIG, FLEXIBEL UND GEFÄHRLICH.
Fünf Studenten bekommen den Auftrag, eine revolutionäre Nanotechnologie zu prüfen. Die Studierenden wittern ihre große Chance. Bald müssen sie erkennen, dass sie und ihre Auftraggeber unterschiedliche Ziele haben. Sie gehen ihren eigenen Weg und der Erfolg gibt ihnen recht. Schnell müssen sich die fünf eingestehen, dass sie nicht alles so fest im Griff haben, wie sie es glauben.
Unkontrollierter Ehrgeiz trifft auf Nanotechnologie und löst eine Kette von Ereignissen aus, die niemand vorhersehen konnte.

BAND 2 – Countdown zum Untergang:
ANCOS ES WURDE ERSCHAFFEN UM UNS DAS LEBEN ZU ERLEICHTERN EINE FEHLENTSCHEIDUNG HAT ES VERLETZT JETZT IST ES BEREIT, ZURÜCK ZU SCHLAGEN.
Das rasante Wachstum hat Stephanie und ihr Team bei Fastlane blind gemacht. Nach Jahren des Erfolgs hat eine einzige Fehlentscheidung ausgereicht, um alles zu zerstören. In den Tagen nach der Katastrophe in Berlin müssen die Gründer des Technologiekonzernes Fastlane sich der Wahrheit stellen. Tausende Menschen mussten ihr Leben lassen, weil sie der Meinung waren, alles unter Kontrolle zu haben. Ab was genau geschehen ist, verstehen sie noch immer nicht, bis zu dem Moment, an dem die Behörden entscheiden, das Computersystem, das sie über Jahre aufgebaut haben abzuschalten.

BAND 3 – Weg ohne Wiederkehr:
ANCOS HAT GESIEGT.
Zwei Jahre sind seit dem verheerenden Angriff auf ANCOS vergangen. Die künstliche Intelligenz, entstanden durch einen Fehler, hat gesiegt. Die Menschheit findet sich in einer Welt ohne moderne Technologie wieder.
Nanobots, entwickelt, um das Leben zu erleichtern, sind zur lebensbedrohlichen Gefahr geworden. Ein trügerischer Frieden herrscht zwischen der übermächtigen KI und den Überlebenden. In den entvölkerten Städten kämpfen die letzten Zurückgebliebenen um ihr Überleben.
Bis zu dem Augenblick, als jene, die den Untergang ausgelöst haben, erkennen müssen, dass es einen viel bedrohlicheren Gegner gibt.

Tanja saß auf dem Dach eines ausgebrannten Bundeswehrpanzers und genoss die warmen Strahlen der morgendlichen Septembersonne. Der strahlend blaue Himmel verhieß einen warmen Tag. Vermutlich einer der letzten, bevor der Herbst in die Lande ziehen und die Temperaturen fallen würden. Wäre da nicht der ständige Gestank von Fäkalien und Verwesung gewesen, hätte die Szenerie etwas Idyllisches an sich gehabt.
Der Platz vor Tanja war menschenleer. Im Krater in der Mitte des Platzes bildete das Regenwasser des Vortags einen kleinen Teich. Aus der ruhigen Wasseroberfläche ragten die Reste einer Geschützstellung. Wie ein Mahnmal für die Überheblichkeit der Menschheit zeigte der Lauf des Maschinengewehrs in den Himmel.
Nichts erinnerte daran, dass das hier vor nicht einmal achtzehn Monaten einer der geschäftigsten Orte Berlins gewesen war. Täglich hatten sich Tausende Menschen aus dem Bahnhof und den U-Bahn-Stationen ergossen, um in die umliegenden Geschäfte, Büros und Hotels zu strömen. Zu dieser Jahreszeit hätte sie sich vor lauter Touristen nicht bewegen können. Nachdem die Stadtregierung im Jahr 2038 den Individualverkehr vom Potsdamer Platz und den umliegenden Straßen verbannt hatte, war eine riesige Fußgängerzone entstanden. Vom Tiergarten bis runter zum Böcklepark zog sich die verkehrsberuhigte Zone, ein Naherholungsgebiet mitten in der Stadt.
Bis am 2. Mai 2042, zwei Monate nach der Nanokalypse, der Zorn der Bevölkerung übergekocht war. Sieben Wochen ohne Strom, fließendes Wasser und funktionierende Toiletten hatten gereicht, um die Stimmung kippen zu lassen. Da hatte auch die beschwichtigende Ansprache des Bundeskanzlers nichts mehr geholfen, seine Parolen waren ungehört verhallt.
Das Resultat der darauffolgenden zwei Wochen der Gewalt lag jetzt wie ein Friedhof der ehemaligen Zivilisation vor Tanja. Seitdem hatte sie nichts mehr von der Regierung gehört. Niemand schien sich mehr auch nur einen Dreck um die Bevölkerung zu scheren.
Mit dem Wegfall der Massenkommunikationsmedien schienen auch die Behörden in der Versenkung verschwunden zu sein. Zu Beginn hatte es hilflose Versuche gegeben, über Fahrzeuge mit Lautsprechern und Flugblätter Kriseninformationen zu verteilen – Unterfangen, die nach wenigen Wochen eingestellt worden waren. Ob das an mangelnden Ressourcen gelegen hatte oder daran, dass niemand Antworten hatte geben können auf die Fragen, die alle beschäftigten, fragte sich Tanja bis heute.
Damals war vielen erst bewusst geworden, wie abhängig die Menschheit von Strom war. Ohne ihn gab es nicht nur kein Internet, sondern überhaupt keine umfassende Kommunikation mehr. Selbst der kurzfristige Versuch, die Massen über Flugblätter und hastig gedruckte Zeitungen zu informieren, war fehlgeschlagen. Denn auch die wenigen verfügbaren Dieselaggregate, mit denen die eine oder andere Maschine am Leben gehalten worden war, hatte die Bundeswehr eingezogen. »Sicherung der Versorgung« hatten sie es genannt – eigentlich nur ein Euphemismus für Enteignung.
Wer überleben wollte, musste sich um sich selbst kümmern. So wie sie und Paul.
Das Funkgerät an Tanjas Hüfte gab ein lautes Knacken von sich, gefolgt von Pauls Stimme: »Wie läuft es bei dir?«
»Alles ruhig.«
»Auf meiner Seite auch. Draußen ist niemand und das Gebäude scheint ebenfalls leer zu sein.«
»Alles klar, ich gehe rein.«
»Ich komme von der gegenüberliegenden Seite. Wir treffen uns im Keller.«
Tanja sprang von der Kanzel des Panzers auf die Straße. Ihre Füße, die in ehemals stabilen Wanderschuhen steckten, klatschten in eine Pfütze. Wasser sickerte ein und durchnässte ihre Socken. Verärgert verzog sie das Gesicht. Sie hatte nichts zum Wechseln dabei und würde bis zum Abend mit nassen Füßen und quietschenden Schuhen aushalten müssen – nicht optimal, wenn sie in eine Situation kommen sollte, in der sie sich leise bewegen musste. Doch dagegen konnte sie jetzt nichts mehr machen. Die Strecke vor ihr war zu weit, um sie barfuß zu bewältigen.
Bevor sie sich endgültig auf den Weg machte, prüfte sie zum gefühlt hundertsten Mal an diesem Tag, ob der Schlüsselbund noch an ihrem Gürtel hing. Da war er, geschützt von einer Neoprentasche. Es war das letzte Überbleibsel ihres ehemaligen Jobs.
Ihr Weg führte sie quer über den Platz zur Abfahrt in die Tiefgarage. Die Schranke lag in Trümmern auf dem Boden, der kümmerliche Rest des einst zwei Meter langen, gelb lackierten Balkens ragte wie ein Armstumpf aus dem Gehäuse. In der rechten Ecke der Einfahrt hing die Sicherheitskamera. Wie die meisten in der Stadt war sie mit Farbe besprüht.
Die Abfahrt erinnerte Tanja an den dunklen Schlund eines Monsters. Die Beleuchtung funktionierte nicht, also schaltete sie ihre eckige Armeetaschenlampe, die an der linken Hosentasche hing, ein. Ein Blechungetüm, alt, unhandlich und schwer, dafür unverwüstbar. Es war ein Geschenk ihres Großvaters, das einzige Überbleibsel seines Wehrdienstes in Österreich. Danach war er nach Berlin ausgewandert und seine treue Lampe hatte ihn durch sein gesamtes Arbeitsleben begleitet.
Vor bald zwei Jahren hatte er sie Tanja mit den Worten »Ich glaub nicht, dass ich noch mal zur Arbeit muss« geschenkt.
Jetzt lieferte sie ihr das dringend notwendige Licht, damit sie sich auf dem Weg in die Untergeschosse des ehemaligen Einkaufszentrums nicht alle Knochen brach. Der breite Lichtkegel tauchte die grauen Wände in kaltes weißes Licht.
Wieder knackte das Funkgerät: »Bin am Schacht. Scheiße, das stinkt!«
Tanja griff zum Mikrofon an ihrer Schulter: »Ich habe dich vorgewarnt. Du wolltest ja von der Straßenseite rein.«
Paul seufzte. »Schon klar, ich wollte mir den Weg außenrum ersparen. Da muss ich jetzt durch. Hast du eine Idee, was hier so stinkt?«
Tanja versuchte, sich an die Pläne zu erinnern. »Irgendwo am unteren Ende des Lastenaufzugschachtes muss die Mitarbeiterkantine gewesen sein. Würde mich nicht wundern, wenn da unten volle Müllcontainer stehen.«
»Ich hoffe, dass es nichts anderes ist. Wie tief geht es hier eigentlich runter?«
Tanja hatte mittlerweile die erste Parkebene erreicht. »Vier Etagen, bis du das Ende des Aufzugschachtes erreichst.«
Es folgte Stille. Tanja konnte sich bildlich vorstellen, wie Paul sich langsam die Leiter hinunterquälte. Er litt an Höhenangst und das Wissen, dass sich unter ihm fast zwanzig Meter Abgrund befanden, setzte ihn sicherlich unter Stress.
»Bist du dir eigentlich sicher, dass der Sechskantschlüssel passt?«, fragte er schließlich außer Atem. Seine Stimme klang gepresst.
»Ja.« Sie überlegte einen Moment. »Also, ziemlich sicher. Immerhin steht Lastenaufzug auf dem Schlüsselanhänger.«
»Du verarschst mich doch. Wehe dir, wenn ich da unten ankomme und die Scheißwartungstür nicht aufgeht. Ich habe keine Lust, da wieder hinaufzuklettern.«
Tanja versuchte Pauls Verunsicherung zu vertreiben. »Du machst dir zu viele Gedanken. Es wird schon klappen.«
»Ich will dir glauben.«
Mehr gab es nicht zu sagen. Tanja musste sich jetzt auf ihre eigenen Aufgaben konzentrieren. Sie war erst dreimal in der Anlage gewesen und konnte sich kaum orientieren. Dass sie den Schlüssel besaß, lag nur daran, dass sie am Tag der Abschaltung vor Ort gewesen war.
Ohne Strom und Computer funktionierten weder das Leitsystem noch die elektronischen Stellplatznummern an den Wänden. Sich durch die verwinkelte Garage zu arbeiten, ohne zu wissen, wo sie sich genau befand, glich einem Glücksspiel. In der vierten Etage angekommen, begann sie zu zählen.
Kurz bevor sie ihr Ziel, die Parkbucht Ost-31, erreichte, forderte Paul wieder ihre Aufmerksamkeit: »Bin unten angekommen. Der Schlüssel passt.«
Tanja fluchte lautlos. Vor ihr lag eine Reihe mit fünf Parkbuchten. Sie musste wohl oder übel alle ausprobieren. Bevor sie etwas sagen konnte, rief Paul: »Boah, hinter der Tür stinkt es abartig! Irgendwas verwest hier. Scheiße! Den Geruch kannst du dir nicht vorstellen.«
»Sei vorsichtig, dass du nirgendwo reintrittst.«
»Danke für den Tipp«, knurrte er. »Ich hoffe, dass ich da schnell durchkomme, bevor ich auf meiner eigenen Kotze ausrutsche. Zum Glück habe ich nichts gefrühstückt.«
Woher kam der Geruch? Oder konnte sie es auf Pauls überhöhte Sensibilität schieben? »Sei auf jeden Fall vorsichtig.«
»Bin ich, Mama.«
»Brav«, scherzte Tanja. Dann wurde sie wieder ernst: »Und gib mir Updates. Ich will wissen, was da unten los ist.«
Über den Lautsprecher hörte sie das Quietschen einer Tür, gefolgt von Pauls Keuchen. »Ja, leck mich doch am Arsch, im Gang stinkt es noch bestialischer! Ich will mir gar nicht vorstellen, was hier vergammelt.«
Tanja entschied sich, nicht darauf einzugehen. Beim Geruch konnte sie ihm nicht helfen, sehr wohl aber beim Weg, der vor ihm lag: »Der Gang ist zweihundert Meter lang und führt dich zum Heizungskeller des Einkaufszentrums. Dort solltest du einen Zugang zu den Untergeschossen finden.«
»Sollte? Na, du machst mir Hoffnung«, antwortete Paul mit gedämpfter Stimme.
Tanja sah ihn förmlich vor sich, wie er sich sein verschwitztes T-Shirt über Mund und Nase gezogen hatte. Mit Sicherheit war der Geruch seines abgestandenen Schweißes besser als das, was er ihr zuvor beschrieben hatte. Tanja hatte noch keine zehn Meter zurückgelegt, da meldete sich Paul wieder: »Links im Gang steht eine Tür offen. Ich glaube, der Mief kommt da raus. Ich schau mal rein.«
Sie hörte das Schaben eines schweren, metallenen Türblattes auf rauem Betonboden und gleich darauf Pauls Würgen.
»Boah!«, keuchte er. »Das kommt definitiv von hier.«
»Was siehst du?«, fragte Tanja. Langsam wurde sie nervös. Das ganze Unterfangen war nicht risikolos und mit dieser Aktion begab sich Paul in unnötige Gefahr.
»Sieht aus, als hätte jemand versucht, einen provisorischen Verschlag aus Stahlregalen, Holzbrettern und Kabelbindern zu bauen. Ich sehe mich weiter um.«
Er klang überraschend ruhig. Steckte doch mehr in ihm, als sie bisher angenommen hatte? »Sei vorsichtig!«, bat Tanja.
»Was sollte mir hier unten schon gefährlich werden, Ratten? Von den Biestern und den Krankheiten, die sie übertragen, haben wir oben genug. Die machen mir keine Angst mehr. Oder befürchtest du eine Horde hungriger Zombies?«
»Das ist nicht witzig«, zischte Tanja.
Es verstrichen einige Sekunden, bis Paul sich wieder meldete. »Sieht aus, als wären hier eine Menge Fliegen.« Plötzlich kippte seine Stimme, wurde schrill und laut. »Ach du Scheiße!« Dann hörte Tanja, wie er sich erbrach.
Sie wäre am liebsten losgerannt, um ihm zu helfen, um zu sehen, was er gesehen hatte. Aber bis sie bei ihm war, würde eine gute halbe Stunde vergehen. Das Gebäude war zu weitläufig, um es einfach zu umrunden. Mit zitternden Fingern umklammerte sie das Funkgerät. »Was ist los?!«
Er antwortete nicht, würgte nur.
»Paul! Melde dich! Was ist da unten los?«
Endlich antwortete er. »Leichen.«
Panik legte sich um Tanjas Herz, dennoch zwang sie sich, ruhig zu klingen. »Was genau siehst du?«
Langsam schien Paul sich zu fangen, seine Stimme wurde ruhiger. »Ich habe den Grund für den Gestank gefunden. Hier unten liegen drei Leichen.«
»Scheiße! Wie kommen die dahin?«
»Du wirst mir das nicht glauben, aber ich tue mir etwas schwer dabei, sie zu fragen.«
Zumindest schien er seinen Humor wiedergefunden zu haben. »Brauchst du Hilfe?«
»Nein. Ich kann hier sowieso nichts machen. Und ich habe definitiv nicht vor, länger hierzubleiben.«
»Wenn du dem Gang folgst, sollten wir uns bald treffen.«
»Alles klar, bis gleich.«
Der Schock über Pauls Entdeckung saß Tanja tief in den Knochen. Sie fragte sich, ob er ihr die Ruhe nur vorgespielt hatte. Oder hatten ihn die Plünderungen, die wahllosen Tode, die brutalen Morde und alles andere, was in den letzten beiden Jahren geschehen war, tatsächlich so abgehärtet? Tanja musste mit sich kämpfen, um sich auf die Aufgabe, die vor ihr lag, zu konzentrieren.

Die Trilogie ist auch in Einzelbänden erhältlich.

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