„Mittsommernachtsküsse“ von Cornelia Engel

Ein Erbe mit Hindernissen, der Zauber der Shetland-Inseln und die große Liebe.

Überraschend erbt die Münchner Hotelmanagerin Mara eine in die Jahre gekommene Pension auf den schottischen Shetland-Inseln. Vierzehn Jahre ist es her, dass sie dort war, viel ist passiert in dieser Zeit. Aber nicht genug, um die kurze Begegnung mit dem attraktiven Gavin zu vergessen, die ein unschönes Ende nahm.

Mara will so schnell wie möglich verkaufen, schließlich wartet zu Hause ihr Leben auf sie, ihre Freundinnen, ihr Job. Doch so einfach ist das nicht: Um die Pension herzurichten, benötigt sie viel mehr Zeit als geplant. Und dass ihr Gavin dauernd über den Weg läuft, war so auch nicht vorgesehen. Mara hat Schmetterlinge im Bauch, aber kann sie ihm wieder vertrauen?

Cornelia Engel | Kindle | Taschenbuch

Die winzige Logan-Air-Maschine wackelte in der Luft, dann fuhr sich mit einem Rumpeln das Fahrwerk aus. Mara beugte sich zum Fenster und blickte hinaus. Vor ihrer Nase wirbelte ein Propeller. Beim Start hatte das Geräusch sie nervös gemacht, inzwischen nahm sie es kaum wahr. Mit einem Gefühl der Vorfreude ließ sie ihren Blick über die stahlblaue Nordsee schweifen. Glitzernd brachen sich die Sonnenstrahlen auf den Wellen. Schiffe, klein wie Stecknadelköpfe, warfen weiße Streifen von Kielwasser hinter sich auf. In einiger Entfernung zog ein brauner Fleck Fels und Moorlandschaft vorbei. Fair Isle, die südlichste Insel von Shetland. Das bedeutete, dass die zerklüftete Küste von Mainland, der Hauptinsel, nicht mehr weit war. Mara bekam Bauchkribbeln vor Aufregung.
»Wir haben Glück mit dem Wetter. Bei wolkenlosem Himmel ist der Landeanflug spektakulär«, sagte eine Frauenstimme mit schottischem Akzent. Mara wandte den Kopf. Die Stewardess – Paris, wie das Namensschild verriet – zwinkerte ihr zu, dann schnallte sie sich auf dem Flugbegleitersitz fest. »Halten Sie nach dem Leuchtturm Ausschau. Er steht auf einer vom Meer umtosten Klippe. Wir fliegen so tief darüber hinweg, dass man die Menschen unter uns winken sieht.«
»Ich erinnere mich«, erwiderte Mara mit einem freundlichen Lächeln. Ihr Einzelplatz in der ersten Reihe lag dem schmalen Notsitz für Flugbegleiter genau gegenüber. »Ich war schon einmal hier.«
Ihr Blick glitt wieder zum Fenster hinaus, wo das Blau des Meeres mit dem Himmel um die Wette leuchtete. Ein bisschen wehmütig wurde ihr schon zumute bei der Erinnerung an das Jahr, das sie seinerzeit in Rosies kleinem B&B auf Shetland verlebt hatte. Wie jung sie gewesen war, und zum ersten Mal richtig verliebt! Beim Gedanken an Gavin verflog ihre Melancholie von einem Moment auf den anderen. Widersprüchliche Emotionen stiegen in ihr auf. Genau wie damals. In der Rückblende erschien es ihr, als wären Wirklichkeit und Schein in jenem Mittsommer so untrennbar miteinander verwoben gewesen wie die endlosen Tage und die hellen Nächte. Auch wenn es ewig her war, löste es immer noch Verwirrung in ihr aus, an Gavin zu denken.
Der Anschnallgurt drückte gegen ihre Hüfte, Mara verlagerte das Gewicht. Normalerweise spazierte Gavin nur selten durch ihre Gedanken. Doch in diesem Moment im Flieger gewann die Vergangenheit wieder ein kleines bisschen an Bedeutung, sodass Mara sich unwillkürlich fragte, was aus Gavin geworden war. Hatte er noch eine so unglaubliche Ausstrahlung wie früher? Diesen Blick, der einem das Gefühl vermittelte, diese eine, ganz besondere Person zu sei? Lebte er überhaupt noch auf Shetland? War er verheiratet? Hatte er Kinder? Wie wahrscheinlich war es, dass sie sich in den kommenden Tagen per Zufall über den Weg liefen? Die letzte Frage ließ sie innehalten. Stirnrunzelnd starrte sie vor sich hin, unfähig zu sagen, was ihr lieber war. Einerseits konnte sie gut auf ein Wiedersehen verzichten. Gavin hatte sie damals verletzt, was sollte ihr eine weitere Begegnung mit ihm da noch bedeuten? Andererseits erschien ihr die Vorstellung, Gavin nach all den Jahren wieder gegenüberzustehen, auf eine unerklärliche Weise reizvoll.

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