„Lieber Instagram-Liebe … als gar keinen Sex!“ von Barbara Lah

Josi. Berlinerin. Fast 40. Blond. Davon ist zumindest ihr Friseur nach einem Besuch bei ihm überzeugt. Davor schwankt sie zwischen Pfütze-braun und ungewaschenem Grizzlybär. Josi ist auf jeden Fall eines: völlig uninteressant.
Bis sie eines Tages eine verirrte Nachricht auf Instagram entdeckt. Würde Zuckerberg sie persönlich für unwürdig erklären, seine App weiterhin zu nutzen? Oder ist es an der Zeit, ihr Leben aufzuräumen und die grundlegenden Fragen der Frauenwelt zu klären?
Also verwandelt sich die langweilige Josi kurzerhand in Black Widow, um die Welt vor dem Untergang zu bewahren …

Kindle | Taschenbuch

Darf ich vorstellen?
Das bin ich.
Josi. 40 Jahre alt (seit fünf Tagen). Verheiratet (immer noch). Ein Kind (ein paar 100 Kilometer weit weg). Gebürtige Berlinerin. Blond. Zumindest ist mein Friseur, nach einem Besuch bei ihm, überzeugt davon. Davor schwanke ich zwischen Pfütze-braun und ungewaschenem Grizzlybären. Ich bin weder dick, noch dünn. Wohl eher mit gesunden Vorratsspeichern, die je nach Jahreszeit deutlichen Schwankungen ausgesetzt sind, obwohl die Kurve in den letzten Jahren nur eine Richtung kennt. Auf meinem Schulterblatt thront ein mit Efeu umranktes Herz und ich danke Gott dafür, dass ich hinten keine Augen habe. Was soll ich sagen? Ich war jung und betrunken.
Ihr könnt mich auf Xing, LinkedIn, Instagram, Twitter, Facebook, Facechat, WhatsApp, Snapchat und TikTok treffen. Das bedeutet aber nicht, dass ihr dort etwas Spannendes über mich erfahren würdet. Bis vor ein paar Monaten waren meine geheimen Kaffeetassenfotos das einzig Aufregende an mir.
Art und Muster, Qualität und Inhalt sind bei den Tassen von untergeordneter Bedeutung. Lediglich das Foto besagter Tasse ist von Interesse. Obwohl! Interessant ist lediglich, was ich mit diesen Bildern anstelle. Dabei ist interessant eigentlich das falsche Wort.
Diese Fotos haben mein Herz höherschlagen lassen. Anderen Menschen hätten sie wahrscheinlich gerade mal ein müdes Achselzucken entlockt, aber für mich bedeuteten sie viel mehr. Schließlich habe ich mich jeden Morgen aus meinem Ehebett gequält und Fotos dieser Kaffeetassen geknipst. Wenn ich die Bilder nicht gelöscht hätte, befänden sich jetzt über 365 Kaffeetassenfotos auf meinem Handy. Aber das Löschen war der letzte Schritt. Zuerst habe ich ein Foto geschossen. Danach habe ich es wieder vernichtet. Zumindest bis vor Kurzem.
Es ist nichts daran auszusetzen, Fotos zu machen und sie im Anschluss zu löschen. Wenn ich dieses Bild nicht verschickt, schlimmer, wenn ich nicht im Gegenzug eines bekommen hätte. Zusammengerechnet ergibt das im Jahr mehr als 730 Bilder von Kaffeetassen.
Manchmal habe ich innegehalten und mich gefragt, warum ich das überhaupt mache. Hin und wieder hatte ich eine Antwort darauf. Normalerweise nach mehreren Gläsern Wein. Die Erleuchtung traf mich dabei weniger wie eine sanfte Brise, sondern eher wie ein atomarer Geistesblitz. Wobei der Blitz sich so schnell aus dem Staub gemacht hat, wie er gekommen war. Zettel und Stift waren dabei nie zur Hand gewesen. Schade eigentlich.
Heute ist jedoch der Tag, an dem ich ganz genau weiß, warum ich kurz vor Mitternacht am Neujahrsabend einsam in meinem Café stehe, umringt von endlosen Säcken Kaffee und versuche, meine Tasse in ein möglichst günstiges Licht zu rücken.
Aber vielleicht beginnen wir am Anfang …

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