„Blondies Tod“ von Hermann Markau

Ein Nordfriesland-Krimi.

Sie sind jung. Sie sind Freundinnen. Sie sind blond. Und sie machen die Discotheken in Flensburg unsicher. Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie mit der Drogenszene in Berührung kommen. Und es bleibt nicht aus, dass sie Menschen kennenlernen, die es nicht nur gut mit ihnen meinen.

Keller und Lehnert vom Polizeirevier Niebüll werden eines Morgens in die Wohnung eines der Mädchen gerufen …

Hermann Markau | Kindle | Taschenbuch

Lara Nissen wandte abrupt ihren Kopf und strahlte Meike an. »Du willst mich doch wieder nur verkuppeln«, rief sie und lachte ein helles Lachen.
Sie war einige Meter voraus, weil sie schnell an die frische Luft wollte, und drängte Richtung Ausgang. Auf dem langen Flur standen Gäste im gedämpften Licht, die sich laut unterhielten und witzige Bemerkungen zuriefen. Und sie musste achtgeben, nicht zu sehr anzuecken. Meike hatte Mühe, ihrer Freundin zu folgen. Auch sie schwitzte vom vielen Tanzen und konnte eine Abkühlung gut vertragen.
»Gott sei Dank«, entfuhr es Lara, als sie den Türsteher erreicht hatte und durch die geöffneten Flügel des Eingangsbereichs ins Freie stolperte. Der Bürgersteig vor dem ›Max‹ war klein und eng. Und auch hier befand sich viel Volk, das aus dem Inneren der Disco nach draußen geströmt war und zwischen der Fassade des Gebäudes und dem Absperrgitter wie eingeklemmt stand. Die Luft war lau. Am Tag waren Temperaturen von weit über dreißig Grad gewesen. Und so hatte die wilde Tanzerei heute Nacht schnell für Schweiß und Kurzatmigkeit gesorgt.
Die bekannteste und beliebteste Disco Flensburgs hatte sich spät erst gefüllt, so wie es seit vielen Jahren überall im Land der Fall ist, denn die jungen Leute haben ja heutzutage viele Ablenkungen, die das Leben bereichern und so den Beginn des Tanzabends am Wochenende bis über Mitternacht hinausschieben.
Lara war stehengeblieben und ließ sich auf der oberen Stufe der kleinen Holztreppe, die sie gerade erreicht hatte, nieder. Sie schaute auf die Uhr. »Schon nach zwei«, stellte sie fest und tat überrascht. »Ich glaube, das war’s für heute«, sagte sie und schaute zu Meike hoch. Aus der geöffneten Eingangstür drang schweiß-geschwängerte Luft und gedämpfte Musik: ›Livestyle‹ von Jason Derulo.
»Du willst doch nicht etwa schon, oder?«, antwortete die Freundin und versuchte, ein kleines Flehen in ihre Frage zu legen. »Der Tag hat doch eben erst angefangen – die Nacht, mein’ ich.«
Meike Assmann war der Chauffeur. Heute jedenfalls, denn man wechselte sich ab, wenn man am Wochenende unterwegs war, um die Gegend unsicher zu machen und die gleichaltrigen jungen Männer auf sich aufmerksam. Manchmal fuhr man auch zu dritt oder zu viert. Heute hatte sich allerdings keine ihrer Freundinnen gefunden, die mitgekommen wäre.
»Und was heißt eigentlich ›verkuppeln‹?«, fuhr Meike fort und wechselte, indem sie diese Frage stellte, geschickt das Thema. Vielleicht vergaß Lara ja, dass sie eigentlich nach Hause wollte, wenn Meike über Illya sprach.
»Was hab’ ich denn davon, wenn Du mit dem was anfängst?«, fragte sie weiter und gebärdete sich ein wenig wie ein gekränktes Mütterlein.
Illya hieß mit Nachnamen Melnyk und kam aus der Ukraine. Seine Mutter hatte die Heimat 2014 mit dem damals Dreizehnjährigen und seiner kleinen Schwester verlassen, als der Krieg im Donbass gerade begonnen hatte und das kleine Städtchen Nowoasowsk im August unter russische Verwaltung gefallen war.

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