„The Gipsy Solitary“ von Monica Bellini

Band 3 der Gipsy-Love-Reihe

Millionär mit neunzehn. Einer der reichsten Männer des Vereinigten Königreichs zwanzig Jahre später.

Dass Marc Smith zudem ein Gipsy ist, rückt ihn noch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Was er hasst. Er braucht niemanden, um glücklich zu sein. Schon gar keine Frau.

Marc Smith hat gelernt, mit den Journalisten umzugehen, die ihn als einsamen Wolf bezeichnen. Er wirft ihnen Brotkrumen zu, nutzt ihr Interesse an seiner Person, um seinem Volk zu helfen. Gipsys sind kein Abschaum, sie sind nicht weniger wertvoll als andere Menschen. Auch Frauen – solange sie blond, willig und bereit sind, ihn nach schnellem Sex wieder zu vergessen. Die Eine, die Dunkelhaarige, deren Lügen er für bare Münze genommen hat, reicht für ein ganzes Leben.

Bis er Rosaleen Saunders begegnet. Eine Waise, die nur wenige Stunden alt war, als man sie in einem Korb vor einem Kloster in Belfast abgestellt hat. Ihr Anblick trifft ihn wie ein Donnerschlag. Erinnerungen werden wach. Er nimmt die Beine unter die Arme und tritt die Flucht an.

Nur ist es mit der Vergangenheit wie mit Kaugummi, der an den Fingern klebt. Sie lässt sich nicht abstreifen …

Abgeschlossener Liebesroman mit heißen Szenen und Happy End.

Monica Bellini | Kindle | Taschenbuch

Mittsommernacht. Edinburgh, Schottland.

Marc Smith stand mit dem Rücken zum Raum am Fenster. Seine Lieblingshose, die er anzog, als er aus dem Bett stieg, wurde gerade noch von dem ausgeleierten Gummiband knapp über seinen Hüftknochen gehalten. Zwar war kaum anzunehmen, dass irgendwer in der Dunkelheit mit einem Fernglas auf den Arthur’s Seat geklettert war, um ausgerechnet sein Haus am Rande des Holyrood Parks zu beobachten. Andererseits … Die Anzahl seiner Neider hatte sich in den vergangenen sechs Jahren, seit dem Verkauf seiner ersten App, deren Entwicklung für ihn eigentlich nur ein Zeitvertreib war, vervielfacht. Drei Millionen Pfund hatte er dafür erhalten und war mit neunzehn der jüngste Millionär des Vereinigten Königreichs geworden, der es aus eigenem Antrieb geschafft hatte. Kein verhätscheltes Muttersöhnchen, auch nicht der Sohn eines Wirtschaftsbosses oder Fußballstars oder Popstars, sondern der Nachkomme einer der ältesten Gipsy-Dynastien Europas. Das iberische Gitano-Blut seiner Großmutter und das seines nordirischen Großvaters, die mit ihren Geschwistern den Circus Smith in ganz Großbritannien und darüber hinaus berühmt gemacht hatten, floss in seinen Adern. Die Journalisten hatten innerhalb kürzester Zeit herausgefunden, dass er ein allein lebender Gipsy ohne Familie war, der scheinbar vor seinem neunzehnten Lebensjahr nicht existiert hatte. Sie hatten sich wie Bluthunde auf ihn gestürzt, seine Fährte aufgenommen und ihn quer durch Europa verfolgt – bis an den Ort, der für alle Gipsys Ende Mai der sicherste war. Saintes-Marie-de-la-Mer, wo die Reliquie ihrer Schutzpatronin, der Schwarzen Sara, aufbewahrt wurde. Während der Wallfahrt glich der kleine Ort im Rhône-Delta einem Ameisenstock. Zu feuriger Musik tanzende Gipsys in farbenfrohen Gewändern, Wahrsagerinnen und Straßenhändler wurden von den Gagé, den Fremden, die nicht ihrem Volk angehörten, bestaunt – und wer nicht gefunden werden wollte, wurde geschützt.
Marcs Onkel, Riccardo Cipriani, der Mann, den alle Angehörigen der Roma, Sinti, Gitanos, Kalé, kurz gesagt sämtlicher Zigeuner des europäischen Kontinents, als Schlichter verehrten, hatte dafür gesorgt, dass die Medienmeute von ihm abließ. In Saintes-Marie galt nur sein Wort. Er, der Streit zwischen Familien beilegte, sich um die Schwächsten und Ärmsten unter ihnen kümmerte und den Kindern seines Volkes Bildung ermöglichte, sorgte auch für ihrer aller Sicherheit. Die jeweils erstgeborenen männlichen Ciprianis, die im Laufe der Jahrhunderte aufeinandergefolgt waren, waren keine Herrscher. Sie berieten ihre Leute mit Weisheit und Vernunft. Und genau das hatte Riccardo Cipriani damals getan während der Stunden, die sie einander in seinem Trailer gegenübersaßen.
»Gib ihnen, was sie wollen, Marc, und nur das. Da du während einer Tournee in London geboren wurdest und dein Nachname zum Glück ein Allerweltsname ist, werden sie nie herausfinden, dass du einer der wenigen Überlebenden der Zirkusdynastie Smith bist. Erzähle ihnen das, was sie hören wollen. Ich kann, will und werde es nie tun, weil sie gar nicht wissen, wer ich bin. Die Geheimnisse unseres Volkes gehen niemanden außer uns etwas an. Doch kann es nur von Vorteil sein, wenn die Öffentlichkeit mehr über uns Gipsys erfährt. Die Menschen sollten endlich begreifen, dass wir nicht alle Gauner und Diebe sind. Gib ihnen einen Blick hinter die Fassade und nutze ihr Interesse für dich, für uns alle.«
Er hatte es getan.
Er, Marc Smith, Gipsy, IT-Genie und Millionär, hatte den Spieß umgedreht. Aus dem Verfolgten war ein Verfolger geworden. Nicht, dass er seither die Journalisten stalkte, wie sie es mit ihm gemacht hatten, wahrlich nicht – doch er benutzte sie für das Wohle seines Volkes. Die meisten der Pressefuzzis waren einfach gestrickt und verschwanden, sobald sie eine Nachricht hatten, die sie vor ihren Kollegen veröffentlichen wollten. Marc streute Brotkrumen, und sie stürzten sich darauf wie Enten im Park, doch war ihnen nicht bewusst, dass er die Fäden in den Händen hielt wie ein Marionettenspieler. Er sprach mit ihnen, ohne jemals irgendetwas über die ersten neunzehn Jahre seines Lebens preiszugeben. Er existierte für die Öffentlichkeit erst, seitdem er die App entwickelt und verkauft hatte, die den sicheren Austausch von Nachrichten auf eine neue Ebene erhoben hatte. In sechs Jahren hatte er viel erreicht – persönlich, letztendlich jedoch vor allem für sein Volk.
Er hatte den Rat seines Onkels befolgt, des Menschen, der ihm seit der Tragödie, die seine gesamte Familie ausgelöscht hatte, am nächsten stand. Anstatt das Studium der Informatik abzubrechen, hatte er es beendet. Jedoch nicht in London. So riesig die Metropole war, so eng war sie ihm mit einem Mal erschienen, da ihn plötzlich alle erkannten. Belfast kam nicht infrage. Seitdem der Circus Smith durch das schreckliche Feuer zerstört worden war und er auf einen Schlag ganz allein war, hatte er keinen Fuß mehr nach Nordirland gesetzt. Stattdessen hatte er sich für Edinburgh entschieden. Die schottische Hauptstadt mit nur einer halben Million Einwohnern war faszinierend. Marc war davon ausgegangen, dass früher oder später jeder an und um den Unicampus wissen würde, wer er war. Aber Schotten waren anders als Engländer. Verschlossener einerseits, extrovertierter andererseits – abends im Pub. Auf den ersten Blick. Denn grundsätzlich neigten sie nicht dazu, in die Privatsphäre ihrer Mitmenschen einzudringen.
Marc hatte sich in die Stadt mit dem Arthur’s Seat verliebt, dem sichtbaren Rest eines Vulkanausbruchs, der über dreihundert Millionen Jahre zurücklag. Und in den Holyrood Park, ehemals königliches Jagdrevier und bis heute Besitz der Windsors, der für das Publikum geöffnet war. Vor allem jedoch in die jahrhundertealte Universität, eine der besten weltweit. Was dazu geführt hatte, dass er neben Informatik auch Mathematik studiert und beide Studiengänge in der halben Zeit beendet hatte – und gestern hatte er das dritte Studium abgeschlossen. »Wirtschaftswissenschaften sind unumgänglich, wenn man in der freien Wirtschaft tätig sein will«, hat er die Frage des Principals beantwortet, des obersten Leiters der Universität, der ihn bei der Überreichung der Urkunde nach dem Grund für das dritte Studium gefragt hatte. Rundum war Gelächter ausgebrochen, als er hinzugefügt hatte, dass er vorerst kein viertes Studium beginnen würde, sich jedoch seiner Zukunftspläne noch nicht sicher war.
Dabei wusste er genau, was er wollte.
Abgelenkt war er gewesen, da er Zara nicht finden konnte. Die atemberaubende McEwan Hall war wie bei jeder Graduation Ceremony zum Bersten voll. Eine einzelne Person unter tausendsiebenhundert zu finden, die das Parterre vor dem riesigen Podium und die gesamte Galerie bevölkerten, war ein Ding der Unmöglichkeit – selbst wenn es sich um eine Professorin handelte.

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