„Die Wiege der Hoffnung“ von Tara Haigh

Eine große Liebe in dunkler Zeit, eine mutige junge Frau und die Liebe zur Kunst.

Wohin mein Weg mich führt …

Berlin 1935: Seit Generationen führt die Familie Rosenbaum eine Apotheke im Herzen der Hauptstadt und muss erleben, dass ihrer Tochter Luise als Jüdin der Zugang zum Pharmaziestudium verwehrt wird. Aber Luise, die heimlich in den jungen Italiener Emilio verliebt ist, träumt ohnehin von etwas anderem als der elterlichen Apotheke. Aus Liebe zur Malerei beginnt sie mit den Nazis zu kollaborieren, um Werke sogenannter entarteter Künstler zu retten und jüdischen Landsleuten zur Flucht zu verhelfen. Als sie schließlich selbst aus Deutschland fliehen muss, schlägt sie sich zusammen mit Emilio durch bis in seine Heimat Apulien – die Wiege der Hoffnung für viele Juden, die von dort aus versuchen, nach Palästina zu gelangen …

Tara Haigh | Kindle | Taschenbuch

Berlin, Juni 1935
Herr Rotter erinnerte Luise nicht nur aufgrund seines Aussehens an Lehrer Lämpel aus den Max-und-Moritz-Geschichten. Sein erhobener Zeigefinger, der immer dann versteifte, wenn er etwas vermeintlich Wichtiges zu vermitteln versuchte, gehörte mit dazu. Weil ihm so ziemlich alles in Chemie und Naturbeschreibung wichtig erschien, bekam Luises Klasse ihn im Fünfminutentakt zu sehen, ebenso die dann bedeutsam weit geöffneten Augen, die durch die dicken Gläser seiner Nickelbrille gleich noch bedrohlicher wirkten.
So hatte jede Lehrkraft an der Wilmersdorfer Hindenburgschule, die sich offiziell Oberrealschule am Hindenburgpark nannte, seine Eigenarten, über die man sich täglich aufs Neue belustigen konnte. Die direkt am Fennsee gelegene Schule mit getrennten Klassen für Mädchen und Jungen hatte Luises Vater für sie und ihren Bruder Hannes ausgesucht. Nicht weil sie in einer der schönsten Ecken Berlins oder unweit des Elternhauses lag, sondern weil dort im Gegensatz zu einem humanistischen oder Realgymnasium ein besonderer Schwerpunkt auf die Chemie gelegt wurde.
Luises Vater war nämlich jahrelang davon ausgegangen, dass sie und Hannes die seit Generationen in Familienhand befindliche Rosenbaum-Apotheke eines Tages weiterführen würden – ein Trugschluss, wie ihm mittlerweile klar sein dürfte. Luise war das recht, denn wer hatte schon Lust darauf, sich mit Altgriechisch oder zu viel Mathematik und Physik herumzuplagen? Englisch und Französisch erschienen ihr wichtiger. Vor allem Letzteres, da dies die Basis schuf, um sich die Sprache der schönen Künste, des Italienischen, selbst anzueignen, denn das Fach gab es an der Schule leider nicht.
Wer davon träumte, eines Tages Italien zu erkunden und vielleicht sogar dort zu studieren, der bereitete sich besser frühzeitig darauf vor. Fächer wie die Naturbeschreibung gehörten allerdings auch zu Luises Steckenpferden. Es bereitete ihr keine Mühe, den Schulstoff zu behalten, den Herr Rotter allzu gern abfragte, wenn am Ende der Stunde noch etwas Zeit blieb. Sein Blick schweifte dann unruhig wie der eines Habichts auf Beutezug über die Klasse. Er suchte sich ein Opfer. Naturgemäß duckten sich dann alle. Die einen starrten auf die Schulbank, die anderen versanken förmlich in ihren Heften, deren Inhalt sie sonst eher nicht interessierte

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