„Django macht sich auf den Weg“ von Wolfgang Mebs

Reinhardt „Django“ Winkler, 65, überzeugter Hedonist und selbsternannter Lebenskünstler, begibt sich auf eine Reise quer durch Deutschland auf den Spuren seiner Vergangenheit. Doch die erhoffte nostalgische Tournee wird zu einer Reise, die ihn tief in dunkle Kapitel deutscher Geschichte führt und nicht nur sein positives Selbstbild, sondern seine gesamte Identität fundamental infrage stellt.

Eine Geschichte voller Humor, Tragik und Philosophie.

Wolfgang Mebs | Kindle | Tolino | Taschenbuch

„Also, eines schon mal vorweg: Es ist nicht meine Schuld. Ich mein, dass ich euch hier einen über mein Leben erzähle. Das mit der Reise, das war meine Idee, aber es waren meine Freunde und vor allem mein Bruder, die mich überredet haben, alles auf- und damit quasi meine Biografie zu schreiben. Aber schreiben ist mir zu mühselig. Ich rede lieber. Habe ich schon immer getan. Außerdem wird heutzutage ohnehin weniger gelesen. Alles rennt doch nur noch mit einem Stöpsel im Ohr herum.
Freddy meinte, allein wegen all der vielen Reisen hätte ich eine Menge zu erzählen. Außerdem wären wir doch Teil der 68er-Generation. Was aber nicht so ganz stimmt, aber dazu später. […]
Aber vielleicht erst mal zu mir. Wie gesagt, 65 Jahre, gut erhalten, 1,80, schlank, aber nicht schlaksig, Schultern zum Anlehnen. Tiefe, grün-braune Augen, gutes Kinn, etwas zu große Nase, Ohren könnten eine Wenigkeit mehr anliegen, winzige Fehlstellung des rechten Fußes, die mich vor dem Wehrdienst bewahrt hat. 3-Tage Bart, früher schwarze, wellige Haare, jetzt sind die Geheimratsecken am Hinterkopf zusammengewachsen und der Pferdeschwanz ist dünn und silbig grau. Immer noch überzeugt ledig. U.A. diverser Student, Reisender, Roady, Zeitungsausträger, Kellner, Erntehelfer.
Aber ich und Autobiografie? Hab noch nie eine gelesen. Das sind doch bloß narzisstische Märchen von selbstberauschten Egomanen. Und wer heute so alles Biografien schreibt! Gerade 20 oder 30 und ein Furz in der Geschichte, schon muss eine Biografie her, die dann so authentisch ist wie Analogkäse. Und ich war nicht mal fünf Minuten lang berühmt, bin nicht mal Z-Promi und habe nichts bemerkenswert Weltbewegendes vollbracht.
Aber zum einen bin ich, ganz unbescheiden gesagt, schon eine denkwürdige Type und hab manch Kurioses erlebt, und zu sagen hab ich auch das eine oder andere. Bin jetzt schließlich 65.
Zum anderen gibt es da merkwürdige Dinge, die ich gerne klären würde, Fragen, die sich mir stellen, seit ich die Truhe im Keller wiederentdeckt habe.

Blick ins Buch (Leseprobe)

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