„Schmerzgrenzen“ von Mark Franley

Sie nennen mich den Puppenmacher und sie haben mich gefunden! Ich bin einer der meistgesuchten Serienkiller in den USA, trotzdem will das FBI verhandeln – aus Angst, dass ich die entführte junge Frau töte oder ihr Schlimmeres antue. Vielleicht haben sie Recht, vielleicht auch nicht.

Im Grunde mag ich Agent William Carter, aber es wird Zeit für ein Spiel zwischen ihm und mir. Und wir beide wissen, dass es am Ende nur einer schaffen wird.

Also dann Carter … lass uns spielen. Aber sage am Ende nicht, du hättest nicht gewusst, auf was du dich einlässt. Lass mich sehen, wo deine Schmerzgrenzen sind.

Mark Franley | Kindle | Taschenbuch

Da sind wir nun also. Von außen betrachtet hätten wir Freunde oder wenigstens gute Bekannte sein können, doch keines von beiden trifft zu.
William Carter – das ist der Kerl, der mir gegenüber in einem der beiden alten und sehr bequemen Sessel sitzt – wirkt angespannt. Ich, auf der anderen Seite des quadratischen Holztischs, bin eher interessiert. Drei Meter neben uns lodert und knistert ein passables Feuer im Kamin und draußen rauscht der kanadische Wind durch die hohen Tannen. Jeder von uns hat seine entsicherte Waffe vor sich auf dem Tisch liegen – und wer gewinnen würde, ist nicht vorherzusagen. Dazu müsste man das X in der Gleichung entweder mit meinen Reflexen eines Mittdreißigers oder mit seiner Erfahrung eines fünfzigjährigen Cops ersetzen.
Die alte Hütte am See knarrt etwas, hat aber sicher schon anderen Stürmen standgehalten. Als Carter mich aufstöberte, hörte ich ihn bereits, bevor er in Sichtweite kam. Es gibt nur drei Möglichkeiten, hierher zu gelangen. Eine sehr lange Wanderung durch Bärenland, ein Wasserflugzeug, das auf dem See landen kann, oder eben ein Motorboot. Carter wählte das Motorboot, vielleicht weil er selbst nicht daran glaubte, mich hier anzutreffen.
Zuerst dachte ich, es würde ein ganzes Einsatzteam anrücken. Umso erstaunter war ich, dass nur ein Mann in dem Außenborder saß.
Aber zurück zu den Waffen. Es ist so gut wie sicher, dass keiner von uns beiden diesen Schritt gehen wird. Zumindest noch nicht. Ich für meinen Teil möchte unbedingt herausfinden, wie viel dieser Mann aushält, und Carter halten gleich mehrere Gründe davon ab. Erstens ist er, wenn auch drüben in den Staaten, ein FBI-Agent, der nicht einfach Menschen umbringen darf. Zweitens will er nicht meinen Tod, sondern mich im Knast leiden sehen. Und nach dem letzten Grund fragt er mich jetzt schon zum dritten Mal. Er löst seinen Blick vom Feuer, sieht mir in die Augen und bittet: »Sagen Sie mir, wo das Opfer ist. Denn dass es keine weiteren mehr geben wird, dürfte Ihnen doch klar sein.«
Nur starke Menschen dürfen überheblich sein, und das gestehe ich ihm zu. Unsere beiden Leben sind wie Parabeln, die sich hin und wieder fast berühren. Seit Jahren kommt dieser Mann immer wieder in Sichtweite, bevor ich den nächsten Schritt mache und ihn wieder auf Abstand halte. Jedenfalls so lange, bis jemand erneut eine Ahnung davon bekommt, dass es sich bei einer gefundenen Leiche um mein Werk handeln könnte. Dann beginnt das Spiel von Neuem.
»Also?«, fragt er erneut. »Ist sie hier irgendwo?«

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