„Ein Kilt macht noch keinen Schotten“ von Pia Guttenson

Der englische Playboy Aidan Jones hat ein Problem. Als einziger Sohn und CEO des Spirituosenhändlers Jones & Son droht ihm nach einer folgenschweren Schlagzeile in der Boulevardpresse jede Menge Ärger. Das Ultimatum des verhassten Vaters und Besitzers des Unternehmens lautet: Heirat innerhalb einer Woche oder Verlust von Job und Erbe. Doch woher eine Braut nehmen?

Eher zufällig erwischt Aidan Praktikantin Mackenzie Buchanan bei einem fatalen Fehler. Ertappt und vor die Wahl gestellt, alles zu verlieren, was ihr lieb und teuer ist, geht sie auf einen fragwürdigen Deal ein. Aber Pläne entwickeln Eigenleben – besonders wenn unerwartet Gefühle ins Spiel kommen …

Nur weil jemand nicht perfekt ist, macht ihn das doch nicht weniger liebenswert. Sind es nicht gerade diese kleinen Special Effects, die wir am anderen so liebenswert, so anziehend finden? – Mackenzie Buchanan

Pia Guttenson | Kindle | Taschenbuch

Aidan Jones war ein arrogantes, Frauen verachtendes Arschloch. Erschwerenderweise war er nicht umsonst erst kürzlich zum Sexiest Man Alive gewählt worden. Nahezu gestählte zwei Meter Körpergröße in Kombination zu rabenschwarzen, schulterlangen gepflegten Haaren und schokoladenbraunen Augen. Selbst die Hölle konnte nicht heißer sein. Die Kirsche auf dem männlichen Sahnetörtchen bildete der wohl knackigste Hintern in ganz London, vermutlich sogar im kompletten Großbritannien. Die Frauenwelt fiel reihenweise auf diesen Playboy rein. Was meiner Meinung nach am Badboy-Image und seinen Augen lag, die einem vorgaukelten, man könne zusammen Pferde stehlen. In meinem Fall Betriebsinterna, Pferde waren nicht unbedingt meins. Unglücklicherweise verstand Aidan Jones, CEO von Jones & Son und außerdem mein Boss, keinen Spaß in diesen Dingen. Eher das Gegenteil war der Fall. Verbissen versuchte ich, nicht an unsere allererste Begegnung zu denken. Streng dich verdammt nochmal an, Mackenzie! Vergeblich. Wie auch heute, trug Aidan Jones damals einen makellos sitzenden, schwarzen Anzug, als er aus dem Kopiererraum getreten war und dabei in aller Seelenruhe den Hosenstall geschlossen hatte. Ihm folgte eine der vielen Sekretärinnen, die ziemlich derangiert wirkte. Vielleicht hätte ich für mich behalten sollen, dass ihr Lippenstift verschmiert war. Zumindest stellte sich dies als wenig vorteilhaft für meinen Start bei Jones & Son heraus. Aidan Jones’ Gegenfrage: »Irgendwelche Probleme, Miss?«, per Konter zu beantworten: »Ich nicht. Sie hingegen offensichtlich schon!«, glich ebenfalls keiner Glanzleistung. Bereits bei dieser Begegnung war es schwergefallen, im Beisein dieses Mannes einen klaren Gedanken zu fassen. Doch im Gegenteil zu hier und jetzt war ich damals definitiv nicht um eine schlagfertige Antwort verlegen gewesen. »Du hast einen Schock, Mackenzie! Einen Schock, an dem Randy Andy, wie alle Aidan Jones, den Juniorboss des Jones & Son Spirituosenkonzerns nannten, die Schuld trug.« Ich war mir nicht sicher, ob ich schreien oder mich übergeben wollte. Warum? Nun, ich verwandelte mich in eines dieser fürchterlichen Frauen-Klischees. Dabei war ich in einem reinen Männerhaushalt aufgewachsen und hatte mir dennoch nie die Butter vom Brot nehmen lassen. Weshalb passierte das ausgerechnet mir? Nun gut. Wenn man die ganze Sache aus einem gewissen Abstand und nüchtern betrachtete, hatte ich mich selbst in diese aussichtslose Situation gebracht. Auch wenn der Plan des großen Ganzen aus der Hand meiner bescheuerten Brüder stammte. Schon vierundzwanzig Jahre lang eilte mir ein Ruf voraus: Mackenzie, die Queen des Chaos. Keiner würde sich also über den Schlamassel wundern, indem ich jetzt komplett versank.
Aidan Jones ragte neben mir empor wie Goliath, wobei ich mich beklommen fragte, ob ich nun David oder einfach nur einen Zwerg darstellte. Ging ein rotblonder Pagenschnitt neuerdings als Zipfelmütze durch? Warum war ein Mann mit der Körpergröße kein Basketballstar? Immerhin saß sein Kopf locker eineinhalb Kopflängen über dem meinen.
»Vater, ich möchte dir die zukünftige Mrs. Jones Junior vorstellen, Miss Mackenzie.«
»Treib es nicht auf die Spitze, Aidan!« Jones Seniors Stimmlage glich einem Donnergrollen. Der Anblick der strengen, glattrasierten Gesichtszüge, in denen die windschiefe Aristokraten-Nase herausstach, wie das Wallace-Monument aus der Umgebung von Stirling, erinnerte mich farblich an das Innere der erst kürzlich erstandenen, vom Bordeaux Wein vollgesogenen Eichenfässer. Diese setzten wir neuerdings zur Veredelung unseres Gaumenschmeichlers ein. Wegen deines Versagens wird uns diese Whisky-Sonderabfüllung nun auch nicht mehr den Arsch retten, Mac. Du hast es versaut! Jetzt kannst du nur noch alles dransetzen, das Beste daraus zu machen!
Die Raumtemperatur schien um mehrere Grad gefallen zu sein, was die weißen Lackoberflächen der Möbel und die Waschbetonwände sowie Böden, die diesen Raum bestimmten, unterstrichen. Wie um dieser Stimmung Nachdruck zu verleihen, tanzten vor der großen Fensterfront anmutig Schneeflocken. Offenbar hielt sich auch das Wetter nicht an seine Rolle. Frühlingsanfang, dass ich nicht lache. Im Disput der beiden Männer war ich nur eine Randfigur. Ein Umstand, der bei meinem Hang zum Tollpatsch nicht von langer Dauer war. Warum zum Teufel hatte ich mich überhaupt auf dieses hirnrissige Vorhaben eingelassen? War je etwas Gutes bei den aus einer Whiskylaune heraus entstandenen Plänen meiner kindsköpfigen Brüder herausgekommen? Du bist die kleine Schwester, die grundsätzlich immer die Suppe auslöffelt, die deine Brüder sich einbrocken. Um Himmelswillen, Mackenzie, mach den Mund auf und sag etwas, bevor es zu spät ist!, führte ich stumme Selbstgespräche. Inzwischen warfen sich Vater und Sohn Schmähungen und Beschimpfungen an den Kopf, fetzten sich wie zwei aufgeplusterte Gockel beim Hahnenkampf.

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