„Noch mehr Abenteuer mit Ratte Prinz und Rapunzel“ von Annette Paul und Krisi Sz.-Pöhls

Prinz ist eine ganz besondere Ratte. Immerhin kann er sprechen und sogar bei den Hausaufgaben helfen! Er lebt in der liebenswerten, aber etwas chaotischen Familie von Rapunzel, die eigentlich Raja heißt. Ständig versucht er, Schwächeren beizustehen, denn er hat ein großes Herz. Trotzdem ist Rapunzel manchmal böse auf ihren kleinen Freund. Oft will er nicht daheimbleiben und versteckt sich in der Manteltasche oder in einem Korb. Wenn er dann im Kaufhaus oder Theater auftaucht, verursacht er einen Tumult. Warum ihn viele Menschen nicht mögen, versteht er überhaupt nicht!

Die lustigen Kurzgeschichten sind leicht zu lesen. Die hübschen Illustrationen stammen von Krisi Sz.-Pöhls.

Annette Paul | Kindle | Tolino | Taschenbuch

Bevor ich vor Langeweile sterbe, klettere ich aus dem Poncho, was Nachtigall gar nicht auffällt. Das Ding ist richtig gut. Weil es so weit ist, merkt sie gar nicht, was in ihren Taschen ist oder wer daran herumturnt. So, jetzt muss ich nur aufpassen, dass keiner dieser Trampelmenschen mich tritt.
Ein paar Ständer weiter hängen Hosen an einem runden Ständer. Um mir einen Überblick zu verschaffen, klettere ich an einer Hose hoch. Allerdings habe ich nicht mit dem kleinen Jungen gerechnet. Gerade als ich die halbe Strecke bis zum Bügel geschafft habe, setzt er den Ständer in Bewegung. Er dreht ihn immer schneller. Es ist wie Karussellfahren.
Juhu, toll! Ich wollte schon immer einmal mit einem Karussell fahren. Schneller, immer schneller wird es. Meine Haare wehen im Fahrtwind. Ich könnte ewig im Kreis fahren. Doch plötzlich löst sich die Hose, an der ich hänge, vom Ständer.
Sie hebt ab und wir fliegen genau auf eine alte Dame zu. Hilfe, ich kann doch nicht steuern! Dann krache ich gegen die Arme und rutsche an ihrer Vorderseite hinab. Benommen bleibe ich einen Augenblick liegen, bevor ich aufspringe und unter einem Regal verschwinde.
Trotzdem hat die Dame mich gesehen. „Hilfe, eine Ratte“, schreit sie. Gleich kommt eine Verkäuferin herangeeilt und beruhigt sie.
Die Verkäuferin schimpft mit dem Jungen, der so geschockt ist, dass er nicht rechtzeitig fliehen konnte. Kleinlaut hebt er die Hose wieder auf, gibt sie der Verkäuferin und entschuldigt sich bei der alten Dame.
„Ich habe eine Ratte gesehen“, behauptet die immer noch.
„Das war bestimmt nur der Schatten. Sie waren geschockt, weil plötzlich etwas auf Sie zugeflogen ist. Wo sollte denn eine Ratte herkommen?“, beruhigt die Verkäuferin die Dame.
Hinter mir höre ich andere Kunden murmeln: „Die Alte ist verwirrt, die gehört in ein Pflegeheim.“
Hoffentlich bin ich nicht schuld, dass sie in ein Heim muss. Doch die Frau ist klug. Sie sieht zwar nicht überzeugt aus, nickt aber und meint: „Wahrscheinlich haben Sie recht, mit fliegenden Hosen rechnet man auch nicht.“ Dann entfernt sie sich, dabei schaut sie in meine Richtung. Mein Herz schlägt ganz doll. Endlich ist die Gefahr vorbei.

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