„Walpurgistage (Die Windsbräute 1)“ von Nora Gold

Eine Geschichte von Liebe und Verrat. An einem Ort voller Mythen und Sagen

In Neles Leben läuft gerade nichts wie es soll. Ihr kleiner Modeladen in Berlin steht kurz vor der Pleite. Und ihr Freund ist nun ihr Ex-Freund, nachdem Nele ihn mit einer anderen Frau erwischt hat. Als sie an diesem Morgen in die Oberlausitz fährt, sehnt sie sich nach ein paar Tagen Ruhe mit ihrem Bruder und dessen Frau. Doch es kommt anders.

Auf der Hinfahrt lernt sie Daria kennen. Die lebhafte junge Frau ist Nele auf Anhieb sympathisch. Ebenso deren geschäftstüchtige und umtriebige Großmutter Mathilde, mit der Daria in Zittau eine Apotheke führt. Daria steht kurz vor der Hochzeit mit Simon, doch über ihrem Glück ziehen Gewitterwolken auf. Dann taucht noch unerwartet der attraktive Journalist Emanuel auf, den Nele schon aus Berlin kennt, und sorgt für neue Unruhe. Vor allem bei Nele, die den Mann vor einem furchtbaren Unfall bewahrt. Und da ist noch diese mysteriöse alte Frau, die wie aus der Zeit gefallen zu sein scheint. In der Walpurgisnacht, in der nach altem Volksglauben die Dämonen mit einem großen Feuer vertrieben werden, kommt es zur Katastrophe. Und plötzlich ist nichts mehr, wie es war …

Nora Gold | Kindle | Tolino | Taschenbuch

Die Flammen loderten hell und erleuchteten den dunklen Nachthimmel. Bald würden sie an der kunstvoll gearbeiteten Hexenpuppe züngeln und sie in kürzester Zeit verschlingen. Die Puppe war ein Symbol für die Dämonen, die sich im Grün der Büsche und Sträucher versteckten und denen schaden wollten, die unvorsichtig genug waren, sich ihnen zu nähern. Heute Nacht sollten alle Geister vertrieben werden. Darum brannten in der gesamten Oberlausitz gerade Feuer wie dieses. Hexenfeuer nannten die Einheimischen sie. Bis kurz vor dem Entzünden waren sie bewacht worden von den Dorfbewohnern, damit niemand von außerhalb das Feuer zu früh entfachen konnte. Denn das brachte Unglück, so der Volksglaube.
‚Als ob sich Dämonen durch ein knisterndes Feuer vertreiben lassen‘, schoss es Nele durch den Kopf. Vielleicht mischten sie sich gerade in diesem Moment unter die Feiernden und sprangen scheinbar zum Spaß mit ihnen um das Feuer herum. Nele fröstelte bei dem Gedanken, obwohl sie dem Feuer jetzt immer näher kam. Dessen Schein tauchte alles in ein goldenes und orangefarbenes Licht und verlieh den Gesichtern bizarre und bisweilen bedrohliche Züge.
Der Wind trieb Nele den Rauch in die Nase. Sie nahm es kaum wahr, denn ihre Aufmerksamkeit war auf etwas anderes gelenkt. Nur noch wenige Meter lagen zwischen ihr und der bewusstlosen Frau auf dem Boden. Bei jeder anderen Person hätte Nele auf zu viel Alkohol getippt, der floss in dieser Nacht nämlich reichlich. Doch nicht bei dieser Frau. Sie war eine Kräuterkundige. Eine, die wusste, wie man Krankheiten heilte und Menschen half. Niemals würde sie sich bis zur Besinnungslosigkeit betrinken.
Endlich war Nele bei der Bewusstlosen angekommen. Sie zog ihre Jacke aus und schob sie der Frau unter den Kopf. Dann ergriff sie ihre Hand, sie war eiskalt. Panik stieg in Nele auf. Auch der herbeigeeilte Arzt kniete jetzt neben ihr und tastete nach dem Puls am Hals der Frau. Seiner besorgten Miene nach zu urteilen war die Lage ernst. Hastig holte er sein Telefon hervor und orderte mit kurzen Worten einen Notarzt.
Als Nele aufblickte, sah sie, wie sich eine Gestalt aus den Rauchschwaden löste und auf sie zukam. Sie ging langsam in leicht gebückter Haltung. Noch war sie zu weit entfernt, als dass Nele ihre Gesichtszüge hätte erkennen können. Doch sie wusste auch so, wer die Gestalt war. Nele hatte sie in den letzten Tagen mehrmals gesehen. Wollte sie heute Nacht vollenden, was sie zuvor begonnen hatte?
Jetzt mischte sich eine Frauenstimme in das Prasseln des Feuers. Erschrocken wandte sich Nele um. Am liebsten wäre sie fortgerannt. Weit weg von dem Drama, das sich in den letzten Tagen über ihren Köpfen zusammengebraut und das Leben des Menschen zerstört hatte, der ihr am nächsten stand.

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