„Flussaufwärts“ von Sabine Buxbaum

Die junge Journalistin Ally Wyatt reist vom geschäftigen New York ins beschauliche Clinton im Bundesstaat Iowa, um einen Artikel über die Opfer des brutalen Serienkillers Sven Sjörgen zu schreiben. Doch der kaltblütige Frauenmörder treibt am Mississippi River noch immer sein Unwesen und hinterlässt flussaufwärts eine Spur aus Leichen und Fragen. Dann ist da noch der mysteriöse Kopfgeldjäger Hank Hunter, der den Serienkiller schon seit Monaten jagt. Doch wem kann sie trauen?

Schließlich landet sie selbst in der Schusslinie des Mörders und muss lernen, sich im Falle eines heimtückischen Angriffs zu verteidigen. Können ihre neu gewonnenen Beziehungen in der kleinen Stadt sie vor größerem Unheil bewahren?

Sabine Buxbaum | Kindle | Tolino | Taschenbuch

Sven betrat ein kleines Pub in Clinton, in dem es nach angebranntem Toast und Schweiß roch. Er schielte zu der Säule neben dem Eingang, die das hölzerne Dachgewölbe stützte, und erkannte darauf einen Steckbrief. Als er das Pub das letzte Mal betreten hatte, war dieser noch nicht da. Der Mann auf dem Steckbrief trug blondes, kurzes Haar und sein Gesicht war übersät mit Sommersprossen.
Wie blind doch die Menschen waren, dachte Sven selbstgefällig. Sie waren so leicht zu täuschen. Eine kleine äußerliche Veränderung und sie waren geblendet. Er setzte sich auf einen leeren Barhocker und nahm die Zeitung in die Hand, die auf dem Tresen lag.
Auf der Titelseite wurde über den Mord an einer jungen Frau in Clinton berichtet, deren Leiche man verstümmelt im Mississippi River gefunden hatte.
„Unglaublich, dass man diesen Serienkiller nicht zu fassen kriegt“, meinte Pub-Besitzer Walter Smith besorgt, der Sven eine Speisekarte reichte. Sven erwiderte nichts, als er die Karte entgegennahm.
„Meine Frau traut sich nachts nicht mehr auf die Straße“, fuhr Walter fort.
Sven überlegte, ob er Walters Ehefrau schon einmal gesehen hatte. Aber selbst wenn, dann war sie ihm noch nie aufgefallen. Er bestellte sich ein Bier und blätterte die Zeitung durch. Ausführlich wurde über die Frauenmorde entlang des Mississippi Rivers berichtet, die in den letzten Monaten geschehen waren.
„Er bewegt sich flussaufwärts“, meinte ein anderer Gast, der beobachtete, wie Sven die Zeitung las. Sven ließ sich nicht in ein Gespräch verwickeln.
„Hoffen wir, dass er in Clinton nicht noch jemanden ermordet“, mischte sich Walter ein, der frisch gewaschene Gläser ins Regal räumte.
Sven trank sein Bier in nahezu einem Zug aus und wollte sich bereit machen zum Gehen, als eine junge Frau das Pub betrat. Er schätzte sie auf dreißig.
Sven gab es einen seltsamen Stich, als er sie betrachtete. Sie war für diese Gegend viel zu vornehm gekleidet. Ihr Rock reichte gerade bis zu den Knien und die High Heels, die sie trug, glänzten in auffallendem Rot. Sie trug ihr langes, braunes Haar streng zurückgekämmt und zusammengebunden, und war deutlich geschminkt. Sie blickte etwas ratlos umher und steuerte dann auf Walter zu.
Sven bestellte sich noch ein Bier. Er hatte es plötzlich nicht mehr eilig zu gehen.
„Kann ich Ihnen helfen, Miss?“, fragte Walter die Frau mit einem warmen Lächeln.
„Hi, ich bin Ally Wyatt“, stellte sich die junge Frau vor. „Kann es sein, dass ich bei Ihnen ein Zimmer reserviert habe? Auf der Anzeige stand Smith Unterkünfte.“
Walter nickte. „Ach, dann sind Sie wohl die Reporterin aus New York, die sich eine Zeit lang bei uns in Clinton einquartieren möchte?“
Ally nickte.
„Herzlich willkommen in der Stadt. Nennen Sie mich Walter. Die Unterkunft gehört mir und meiner Frau und befindet sich gleich hinter dem Pub. Warten Sie einen Augenblick, dann rufe ich meine Frau an. Sie kann Sie dann abholen kommen.“ Walter entfernte sich in einen anderen Raum.
„Vielen Dank“, rief Ally ihm nach.
Sven beobachtete, wie Ally sich den Barhocker neben ihm nahm. Sie beachtete ihn nicht und ihre Interesselosigkeit machte ihn wütend.
Sie gehörte genau zu der Kategorie Frauen, die er nicht leiden konnte. Sie war schön und vermutlich beruflich erfolgreich. Immerhin kam sie aus New York. Sven vermutete in ihr eine vom Ehrgeiz zerfressene Lady, die für ihren Erfolg über Leichen ging. Jemand, der nur Menschen Aufmerksamkeit schenkte, die ihnen von Vorteil waren. Jemand, der ihn nicht sah und nicht sehen wollte.
„Was führt eine Reporterin aus New York nach Clinton in Iowa?“, fragte er schließlich. Ally blickte ihn skeptisch an. An ihrem Blick konnte Sven erkennen, dass sie nicht zu einem Gespräch mit ihm bereit war.
„Recherchen“, antwortete Ally knapp.

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