„Sommer mit Yashar“ von Jana Maris

Eine berührende Geschichte über Freundschaft, die erste große Liebe und den Mut, für sich und andere einzustehen.

Mattes ist fast 17 und hat noch nie ein Mädchen geküsst. Für die Sommerferien hat er deshalb einen ehrgeizigen Plan gefasst: Er will sich in Katrin verlieben. Dabei kreisen seine Gedanken eigentlich um den geheimnisvollen Yashar, der jeden Morgen in der alten Eiche am Waldweg sitzt. Und das, obwohl er bisher kein einziges Wort mit ihm gewechselt hat. Bis er eines Nachts seinen Mut zusammennimmt, zu ihm auf den Baum klettert und eine völlig neue Welt in sich entdeckt. Bei Yashar kann Mattes endlich er selbst sein. Zumindest fast. Denn ob Yashar seine Gefühle erwidert, da ist Mattes sich nicht so sicher. Und während er noch mit der Frage kämpft, ob und wie er über sein verwirrendes Innenleben sprechen kann, nehmen im Dorf gefährliche Gerüchte über den Fremden ihren Lauf, die nicht nur Mattes‘ Leben aus der Bahn zu werfen drohen …

Jana Maris | Kindle

Fichtenzweige griffen wie Finger nach meinen Haaren, doch ich schüttelte sie ab und hechtete blindlings weiter. Irgendwo neben mir schoss Lupo durchs Dunkel des Waldes. Im Gegensatz zu mir gab er sich nicht einmal Mühe, leise zu sein. Wie ein Mantra keuchte er »Scheiße! Scheiße! Heilige Scheiße!« in die Nacht. Vor uns sprang der Lichtkegel von Maiks Taschenlampe so verwirrend schnell über Laub und Wurzeln, dass es womöglich besser gewesen wäre, sich nur auf den Schein des Vollmonds zu verlassen. Ich stolperte und fiel auf alle viere. Die anderen rannten weiter, nur Maik hielt trippelnd neben mir und zerrte an meinem Ärmel.
»Komm schon, Mattes! Steh auf! Beeil dich doch!«
Stöhnend rappelte ich mich auf und lief weiter. Vor meinem inneren Auge flammte erneut das Blut an seinen Händen auf, während die Schreie der Frau wie ein grausiges Echo in meinem Kopf nachhallten. Ich versuchte mich zu beruhigen, einen klaren Gedanken zu fassen, doch solange wir noch von Schwärze und bizarren Umrissen und Schatten umgeben waren, würde mir das wohl kaum gelingen.
Das hier war das Abgefahrenste und Schlimmste, was ich je erlebt hatte. Dachte ich zumindest. Doch wenn ich heute, über ein halbes Jahr später, auf diese Situation zurückblicke, weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Wenn ich in diesem Moment bereits gewusst hätte, wie anders alles werden würde – wie viel schöner, wie viel schlimmer –, vielleicht hätte ich dann beides getan: gelacht und geweint. Vielleicht wäre ich aber auch stehen geblieben, hätte tief durchgeatmet, zugehört, wie sich die Schritte der anderen immer weiter entfernten, und wäre zurückgerannt.

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