„Mr. Captivating (The Cavaliers 4)“ von Monica Bellini

Vincent Amblard lebt für das Weingut seiner Familie. Champagner zu produzieren war zwar nie sein Traumjob, aber auf den musste er ebenso verzichten wie auf eine Beziehung. Was egal war, da Frauen es nicht wert waren, geliebt zu werden. Doch als sich seine drei Freunde innerhalb kürzester Zeit verlieben, ihren Schwur brechen und er zudem erfährt, dass seine Jugendliebe in die Champagne zurückkehren wird, rastet er aus.

Margaux Maminot, die Danseuse Étoile der Pariser Oper, erklärt mit nur 32 ihren Rücktritt. Ihre Mutter, die sie aus ihrer Heimat entwurzelt, den Kontakt zu dem Nachbarsjungen unterbunden, sie kontrolliert und sich in ihrem Ruhm gesonnt hat, kann nichts mehr dagegen tun. Margaux sehnt sich nach ihrem Zuhause, ihrem Großvater … und Vincent, der sie abgrundtief hasst.

Mr. Captivating‘ ist der vierte Roman der Reihe ‚The Cavaliers‘. Alle Bücher können ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Monica Bellini | Kindle | Taschenbuch

Mit unbewegter Miene saß Margaux Maminot aufrecht, nahezu ungeschminkt und mit streng zum Ballett-Dutt frisierten Haaren, neben dem Generaldirektor und der Tanzdirektorin im Pressesaal des Palais Garnier, einem der beiden Häuser der Pariser Oper. Der musikalische Leiter glänzte mit Abwesenheit. Die Animositäten zwischen ihm und der umjubelten Solotänzerin waren kein Geheimnis, der Grund dafür der Öffentlichkeit nicht bekannt. Beide beriefen sie sich Journalisten gegenüber, die nicht müde wurden, immer wieder auf ihre offensichtliche gegenseitige Antipathie anzuspielen, stets auf künstlerische Divergenzen. Vermutungen über eine fehlgeschlagene sentimentale Beziehung dementierten sie seit Jahren, doch niemand glaubte ihnen. Ab sofort würde auch das nicht mehr nötig sein, was lediglich ein positiver Aspekt ihrer Entscheidung war. Margaux war es leid, Elias den Rücken freizuhalten, der sein wahres Ich vor der Öffentlichkeit verbarg. Niemand sollte gezwungen sein, sich zu verbiegen.
»Mit großem Bedauern muss ich Ihnen heute den Rücktritt von Madame Maminot mitteilen. Sie wird in ihrer Glanzrolle als Giselle Ende nächster Woche von der Bühne Abschied nehmen.«
Sie hatten sich darauf geeinigt, die Ankündigung dem Generaldirektor zu überlassen, da Margaux keinesfalls jetzt, am Ende ihrer Karriere, emotional erscheinen wollte. Sie war Balletttänzerin, keine Schauspielerin. Viele Mitglieder ihres weltberühmten Ballettensembles lispelten, stotterten, sprachen schrill oder brachten einfach keinen zusammenhängenden Satz über die Lippen. Nichts davon traf auf Margaux zu, dennoch zog sie das Tanzen dem Sprechen vor. Zudem traute sie heute ihrer Stimme nicht. Denn eine derart tiefgreifende Entscheidung zu treffen war eine Sache, diese auf einer Pressekonferenz mitzuteilen eine andere.
Auf einigen Gesichtern der anwesenden Journalisten zeichnete sich stummes Erstaunen ab. Andere Pressevertreter hoben die Hände, darauf hoffend, als Erste oder Erster eine Frage stellen zu dürfen. Elodie Ferron, die leitende Redakteurin des Kulturressorts der linksliberalen Tageszeitung Le Monde, scherte sich nicht um gesellschaftliche Konventionen. Das Opernhaus war nur ein Gebäude, und diejenigen, die hier arbeiteten, waren Menschen wie alle anderen. Selbst Margaux Maminot, die mit nur zweiundzwanzig als jüngste Tänzerin der Geschichte des renommierten Hauses zur Primaballerina der Opéra National de Paris ernannt worden war. Seither wurde sie umjubelt wie ein Rockstar, selbst von Personen, die weder klassischer Musik im Allgemeinen noch Ballett im Besonderen etwas abgewinnen konnten.
»Margaux, haben Sie diesen Zeitpunkt bewusst gewählt? Ich meine, mich zu erinnern, dass Ihre Ernennung zur Danseuse Étoile vor zehn Jahren erfolgte.«
Klar tust du das, du warst ja damals dabei. Margaux umklammerte mit beiden Händen die Sitzfläche ihres Stuhls und dankte der Vorsehung, dass der Tisch auf dem Podium bodenlang mit dunkelrotem Tuch verkleidet war. Es wäre mehr als peinlich, wenn sie aus der Rolle fallen und auflachen würde. Elodie hatte mit ihr gewettet, dass sie es diesmal nicht schaffen würde, ihre unbewegte Miene beizubehalten, doch sie hatte nicht die Absicht, ausgerechnet heute eine Wette gegen ihre beste Freundin zu verlieren.
»Das ist korrekt«, antwortete sie daher so emotionslos wie möglich.
»Was bedeutet, dass Sie noch zehn weitere Jahre Primaballerina eines der berühmtesten Ballettensembles der Welt bleiben könnten, bevor Sie wie alle Solotänzer und Solotänzerinnen dieses Hauses im Alter von zweiundvierzig zurücktreten müssten«, konterte Elodie. »Wiegt der Verlust dieses Titels nicht zu schwer?«
Was Margaux, als Elodie und sie die Fragen austüftelten, vorhergesehen hatte, geschah. Jekaterina Labat, die Tanzdirektorin, fühlte sich prompt persönlich angesprochen. Kein Wunder bei ihrem Charakter. Geboren in Russland, Französin durch Heirat, war sie diejenige, deren Platz Margaux eingenommen hatte, als die Labat das vertraglich festgelegte Rücktrittsalter für Tänzer der Pariser Oper erreicht hatte – und darunter litt die Frau immer noch.
»Madame Maminot wird den Titel der Danseuse Étoile bis zu ihrem Lebensende behalten, wie wir alle, die wir damit ausgezeichnet wurden, Madame Ferron!« Die Labat rügte Elodie mit demselben Ton, den sie im Proberaum nicht nur den Eleven, sondern auch den routinierten Tänzern gegenüber verwendete, und ging mit den nachfolgenden Worten sogar noch weiter. »Wir sind keine Sterne, die vom Himmel fallen und verglühen. Aber das verstehen Sie natürlich nicht.«

Die Äußerung der Tanzdirektorin des Pariser Opernhauses wurde überall zitiert.
In Tageszeitungen, Wochenzeitschriften, in Druckausgaben und online gleichermaßen. Die Videosequenz des Statements der Labat wurde von den Fernsehsendern öfter gezeigt als die Ankündigung des bevorstehenden Rücktritts der Primaballerina Margaux Maminot. Jekaterina Labat wurde zum beliebtesten Subjekt der Karikaturisten. In den sozialen Netzwerken wurden unzählige Beiträge zu Margauxs unerwarteter und frühzeitiger Entscheidung gepostet und tausendfach kommentiert.
»Es hätte nicht besser laufen können«, meinte Elias Ferron am Abend nach der Pressekonferenz lachend und befüllte die vier bereitstehenden Flötengläser.
Margaux, die seine engste Verbündete war, seine Schwester Elodie, die auch seine beste Freundin war, und Serge, seine große Liebe, hoben die Gläser.
»Du hättest dabei sein müssen«, rügte Margaux Elias. »Wir hätten uns doch endlich einmal im Beisein von Journalisten freundlich anlächeln können.« »Um die Vermutungen über die seit Jahren kultivierte gegenseitige Abneigung zwischen dem musikalischen Leiter und der grandiosen Danseuse Étoile der Pariser Oper erneut anzufachen?« Elias schüttelte den Kopf. »So gern ich alle wissen lassen möchte, welch fantastische Freundin du für mich bist, ich kann es einfach nicht.« Er warf Serge einen flüchtigen Blick zu, bevor er sein Glas mit dem prickelnden Champagner hob und darauf wartete, dass die anderen es ihm gleichtaten.

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