„Vorübergehend verliebt“ von Lisa Torberg

Ein romantischer Dolce-Vita-Roman mit allem, was dazugehört. Macho inklusive.

Simone ist mit Herz und Seele Köchin im Restaurant ihrer Familie in Little Italy. Nur deshalb erträgt sie ihre rechthaberische Schwester – bis ihr Geduldsfaden reißt. Sie braucht Abstand, am besten einen Ozean entfernt. Als sie online ein Zimmer in einer Traumvilla mitten in Rom findet, schlägt sie zu – und landet in einer Männer-WG.

Tommaso, von seiner Ex betrogen, vergräbt sich in seinem Job – bis die Anzeichen eines nahenden Burn-outs unübersehbar sind. Sein Zwillingsbruder verordnet ihm eine Auszeit. Der Plan einer frauenfreien Sommer-WG scheitert jedoch, da der vierte Mitbewohner trotz des unverkennbar männlichen Vornamens eine Frau ist. Eine, die nicht einmal dann sein Typ wäre, wenn er Interesse an einem Urlaubsflirt hätte …

Eine Villa im Herzen von Rom, in der männliche Hormone regieren – bis eine Frau die Idylle stört. Lügen, Halbwahrheiten, Unterlassungen, daraus resultierende Missverständnisse und eine ordentliche Portion Humor. Liebesknistern vs. funkensprühende Abneigung. Bis zum Happy End.

Lisa Torberg | Kindle | Taschenbuch

»Träumst du schon wieder, Simone?« Unsanft landet eine Hand auf meiner Schulter, bevor ein braunes Augenpaar vor meinem Gesicht erscheint.
Sue deutet auf die in drei Farben leuchtenden Paprika und das Messer in meiner Hand. »Die schneiden sich nicht von selbst.«
»Ich weiß«, murmele ich und widme mich wieder meiner Arbeit.
Sosehr ich meine Schwester Susanna, die alle nur Sue nennen, liebe, so sehr geht sie mir auf die Nerven. In letzter Zeit mehr denn je zuvor.
Ich bin ausgelaugt. Dauermüde. Habe Schwierigkeiten, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, so mechanisch sie auch ist. Cammie, meine beste Freundin, beneidet mich darum, dass ich im Familienbetrieb arbeite. »Du hast keinen nörgelnden Chef, dem du Rechenschaft schuldig bist«, sagt sie immer. Sie hat keine Ahnung, und das, obwohl wir uns schon ewig kennen. Nicht, dass ich das Kochen nicht liebe. Im Gegenteil! Wie andere Menschen Sauerstoff brauche ich den Geruch der Tomaten, die stundenlang vor sich hin köcheln und zur tiefroten Salsa werden, die das Ferrara’s nicht nur in Little Italy, sondern in ganz New York berühmt gemacht hat, ebenso wie den von frischem Basilikum und Rosmarin.
Mit einem Seufzer entkerne ich den letzten Paprika und schneide das knackige Fruchtfleisch in schmale Streifen. Ich werfe sie in eine der beiden Stielpfannen, die wir ausschließlich für die Zubereitung der Peperonata verwenden. Beim Umrühren steigt der Duft nach Knoblauch und Zwiebeln in meine Nase, und für einen kurzen Moment vergesse ich, worüber ich vorhin gegrübelt habe. Nämlich dass ich genug von all dem habe und nichts als wegwill. Alles ist wieder gut, denke ich. Doch hält dieser positive Augenblick nur ein paar Sekunden, denn plötzlich weht Sues unvergleichlicher süßlicher Duft nach Jasmin in meine Richtung. Kurz darauf steht sie neben mir und deutet auf die zweite Pfanne, in der ich den Paprikastreifen längst frische Tomatensalsa hinzugefügt hatte.
»Dauert das noch lange, Simone? Wir öffnen in zehn Minuten.« Ihr Ton ist vorwurfsvoll. Patzig. Unschwesterlich. Klar, das ist kein Wort, das man im Wörterbuch findet, aber es ist das, was ihre Art mir gegenüber am besten beschreibt.
Ich drehe mich schwungvoll mit dem Kochlöffel in der Hand herum. Ein paar Tropfen rote ölige Soße fliegen auf ihre schneeweiße Bluse. Sie springt einen Schritt zurück – zu spät, wie ich mit Genugtuung feststelle – und funkelt mich wütend an.
»Was ist nur los mit dir, Simone? Du bist so was von unleidig, dass ich dich am liebsten aus der Küche schmeißen würde.«
Meine Geduld gleicht einem ausgeleierten Gummiband, das selbst dann nicht reißt, wenn es fast bis zur Grenze gespannt wird. Aber seitdem sich unsere Eltern – wie seit Jahrzehnten geplant – vor zweieinhalb Jahren aus dem Ferrara’s zurückgezogen haben und nach Kalifornien gezogen sind, um ihren wohlverdienten Ruhestand in Mamas Heimatstadt Laguna Beach zu verbringen, wurde dieses Band zunehmend spröder. Und jetzt reißt es.
Mit einem raschen Rundblick durch die Küche versichere ich mich, dass die anderen Mitarbeiter alle schwer beschäftigt sind.
»Warum nicht gleich aus dem Restaurant?« Ich betone jedes einzelne Wort. Dabei recke ich mein Kinn, stütze eine Hand in meine Hüfte und wackele mit dem Kochlöffel, den ich in der anderen halte, vor Sues Nase.
Sie presst die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. Offenbar braucht sie Zeit, um zu begreifen, dass ihre kleine Schwester sich nicht alles gefallen lässt. Doch als sie es kapiert, rudert sie nicht zurück, wie sie es früher gemacht hätte, als wir uns noch verstanden. Als wir die perfekten Ferrara-Schwestern waren, um die alle Nachbarinnen unsere Mutter beneideten. Die beiden Mädchen, die trotz der drei Jahre Altersunterschied alles, was möglich war, gemeinsam machten. Die nie stritten. Die ihre Freizeit im Restaurant verbrachten und halfen. Simone in der Küche, Susanna im vorderen Bereich, wo sie schon mit zwölf die Gäste zu ihren reservierten Tischen brachte.
»Tu dir keinen Zwang an«, speit sie mir jetzt entgegen. »Wenn du gehen willst, dann geh.«
Feiner Spuckeregen überwindet den geringen Abstand zwischen uns – und bringt das Fass zum Überlaufen. Ich lasse den Kochlöffel in die nächste Pfanne fallen, drehe mich wortlos und – dank der Gummisohlen meiner Arbeitsschuhe – auch lautlos um und verschwinde durch die Schwingtür in dem Flur, den Gäste nie betreten und durch den man zur Hintertür gelangt.

Blick ins Buch (Leseprobe)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: