„Mord an der Sorbonne“ von Reinhard Skandera

Nach einem Raubüberfall auf sein Gestüt, bei dem seine Frau ums Leben kommt, widmet sich Samuel de Beauroglie ausschließlich der Jagd nach Mördern. Unterstützt wird er von der Roma Raphaela hors la Loi. „Mord an der Sorbonne“ ist der 1. Band einer Reihe historischer Paris Krimis, in denen die beiden im Mittelpunkt stehen. Sie arbeiten eng zusammen mit dem Inspektor Henri Leclerc und dem Verbrechensstatistiker Jesse Abraham.

Der Student, Baltassare de Zuccoli aus Venedig, wurde vom reichen Vater zum Studium an die Sorbonne entsandt. Eines Tage wird er im Innenhof der Universität brutal erschlagen aufgefunden. Statt wie vorgesehen Rechtswesen zu studieren, geht er anderen Interessen nach. Er liebt die Chormusik, lässt sich zum Chorleiter ausbilden. Nebenbei betreibt er einen Handel mit Orientteppichen, der ihn im Nu reich macht. Die Beziehung zu einer älteren Frau endet im Drama. Kommilitonen flüstern, dass er offen für beide Geschlechter ist. Als auch der 1. Organist von Saint Sulpice erschlagen aufgefunden wird, sind Samuel und Raphaela überzeugt, dass ein und derselbe Täter für beide Morde verantwortlich ist. Baltassare hatte sich einem Kommilitonen anvertraut, der Theologie studierte. Zahlreiche Verdächtige mit vortrefflichen Motiven kommen für die Taten infrage. Samuel erfährt, dass Baltassare eine radikale politische Gruppe finanziert. Alles deutet auf einen staatlich verordneten Mord hin. Der Erzbischof von Paris und der Rektor der Sorbonne pflegen enge Verbindungen zu dem Verbrecher Stanislaus Kostecki. Kostecki stand für den Mord an Samuel Ehefrau vor Gericht, wurde aber freigesprochen. Samuel will ihn endlich überführen. Da auch der ermordete Organist der radikalen Gruppe angehörte, besteht kein Zweifel mehr an einer politisch motivierten Tat. Eine unerwartete Wendung bringt noch einmal eine neue Spur in die Ermittlungen …

Reinhard Skandera | Kindle | Taschenbuch

Niedergeschlagen kehrte Samuel de Beauroglie im Sommer 1730 von einer Reise nach Saint Paul de Leon am Atlantischen Ozean in der Bretagne gelegen, auf das Landgut in der Courtille zurück. Er wurde vor 35 Jahren in dem kleinen Ort geboren. Von dort bis in die Hauptstadt Paris benötigte man eine Stunde mit einem guten Pferd. Andererseits freute er sich auf seine Frau Marie, die ihn vor einem Verbrecherleben bewahrt hatte. Ihr zuliebe trennte er sich von einer Räuberbande, die er gründete, weil selbst die Mittel für das tägliche Brot fehlten.
Samuel nahm die Last des langen Ritts auf sich, da der Vater in der letzten Woche starb. Endlich sah er die 9 Geschwister wieder. Er liebte sie, die zu ihm, dem Ältesten heraufschauten. Nur er wagte es einst gegen den gewalttätigen, autoritären Herrscher aufzubegehren. Im Zorn hatte er einmal zurückgeschlagen, woraufhin ihn der Tyrann des Hauses verwies.
Vor zehn Jahren heiratete er Maria. Sie bauten gemeinsam eine Zucht der Pferderasse Selle Français auf. Samuel dankte dem Schicksal, dass es gut mit ihm meinte. In Maria hatte er die ideale Frau für sich gefunden. Schon bevor er auf den Hof einritt, spürte er, dass etwas nicht stimmte. Obwohl die Tiere um diese Zeit ihr Abendfutter bekamen, herrschte eine Totenstille. Ihn durchzog ein Schauer, ausgelöst von einer Vorahnung, dass Schreckliches während der Abwesenheit geschehen sein musste. Einer der beiden Hengste galoppierte auf den Hof. Samuel sah die Angst in den Augen der Kreatur. Im Stall begegnete ihm das Grauen. Die Pferde lagen abgeschlachtet in den Boxen, mit Ausnahme des Hengstes. Auch zwei trächtige Stuten fehlten. Entweder nahmen die Räuber sie mir oder die werdenden Mütter konnten fliehen. Er stürmte wie von Sinnen in das Wohnhaus.
In der Küche fand er Maria, das Kleid zerrissen und durch unzählige Messerstiche hingerichtet. Verzweifelt legte er sie in den Schoß, sprach mit ihr, bat sie, etwas zu sagen. Nach Stunden, die er mit ihr verbrachte, blieb sie stumm für immer. Das Haushälter Ehepaar, dass sie ebenfalls auf bestialische Art und Weise ermordet hatten, entdeckte er später. Er verfluchte Gott, dass er ihn so hart bestrafte. Ja, er hatte gesündigt, aber doch Buße getan. Maria hatte ihn zum christlichen Glauben geführt. Samuel verlor an dem Tag alles, was er liebte.
Bis heute im Sommer 1740, also zehn Jahre danach, bleiben die Morde ungesühnt.
Die Pariser Polizei, ohnehin schlecht beleumundet, hatte sich wirklich angestrengt, die Täter zu finden, jedoch ohne Erfolg. Die Ermittler glaubten, die Verbrecher flohen die mit den Pferden in den Süden Frankreichs oder weiter in Richtung Katalonien.
Samuel erfüllte das Versprechen, das er Maria gegeben hatte, nachdem sie ihm aus der Heimat in Pommern in das Königreich Frankreich folgte. Für den Fall des Todes hatte Samuel ihr versichert, sie in der heimatlichen Erde zu begraben. Nach der Beerdigung blieb er noch einige Monate in Brandenburg-Preußen, um zu trauern, um Abstand von dem Ort des Schreckens zu gewinnen.
Das Landgut verkaufte er an eine Frau namens Anais Faire la Nouba, eine Bekannte, die er über André Roublard, dem die Pariserinnen den Beinamen „der Tortenzauberer“ verliehen, kennenlernte. Sie betrieb bereits eine Boulonnais Zucht und beabsichtigte auf dem Hof eine Ardenner Zucht aufzubauen. Wie Samuel hatte Anais den Ehepartner verloren. Käufer und Käuferin verstanden sich von Anfang an, jedoch vermieden beide ein Kennenlernen.

Samuel fasste in der Zeit, die er in Pommern verbrachte, einen unumstößlichen Entschluss. Nach Marias tot sah Samuel in einem Weiterleben ohne sie keinen Sinn. Auf endlosen Wanderungen in den pommerschen Ebenen fand er eine Aufgabe, die seinem irdischen Dasein wieder einen Wert geben würde. Er verschrieb er sich der Mission, die Erde gerechter zu machen. Auf diese Weise gelang es ihm, das Leben mit frischem Antrieb fortzusetzen.
Samuel schwor auf die Bibel, dass er Gott und den Mitmenschen dienen wird und bis an das Lebensende Verbrecher jagt. Niemand, der einem anderen vorsätzlich das tötet, soll sich in Paris und Umgebung sicher fühlen.
Die Pariser Polizei lehnte eine Zusammenarbeit ab. Die Verbrecherjagd beherrschen nur wir, deshalb lehnen wir deinen Vorschlag ab. Leider entsprach die Quote der aufgeklärten Morde nicht dem Selbstvertrauen der Gendarmen. Sie lag nämlich unter zehn Prozent und das auch nur geschönt, denn nur die erfassten Tötungsdelikte gingen in die Rechnung ein. Die Hälfte meldeten die Angehörigen oder Freunde der Opfer nicht. Der Polizeichef reagierte böse, da Samuel in der Gazette ankündigte, die Gesetzlosen der Stadt gnadenlos zu jagen. Ein befreundeter Journalist veröffentlichte seine Ansage an die Unterwelt.
Das Stadthaus in der Rue des Fossoyeurs kaufte er, um in der Nähe von Pierre Monteton zu wohnen. Einem Kumpel aus längst vergangenen Tagen. Der stammte aus demselben Ort wie er. Sie lernten sich in der Schulzeit kennen. Die Wege trennten sich jedoch, nachdem beide die Schule beendet hatte. Noch Schüler startete Samuel die Räuberkarriere. Pierre verurteilte die Beutezüge scharf. Er vertrat den Standpunkt, nur der absolut redliche Mensch verdiene ein Weiterleben nach dem Tode. Allerdings wuchs Pierre in einer bürgerlichen, gut situierten Familie auf. Der Vater bekleidete einen hohen Posten in der Verwaltung des Departements. Das Auskommen der Familie sicherte das Königreich bis zum Tod des Familienoberhauptes und darüber hinaus. Samuel hingegen fristete mit der 12-köpfigen Sippe ein erbärmliches Dasein. Wie es sich anfühlt, einmal satt zu sein, lernte er erst, nachdem er begann zu stehlen.
Pierre verließ Saint Paul de Leon und trat in einen Kirchenorden ein. Er begeisterte die Mitbrüder mit dem Orgelspiel, sodass sie ihnen zum 1. Organisten der Gemeinde Saint Germain des Pres ernannten. In der Kirche Saint Sulpice spielte er auf der von François-Henri Clicquot erbauten Orgel, die aus 64 Registern auf fünf Manualen und Pedal bestand. Jeder Organist träumte davon, auf dem weltberühmten Instrument zu spielen. Manch einer mordete für die Möglichkeit, so ging ein nicht ernst gemeintes Wort unter den Kollegen.
Überglücklich über Samuels Wandlung suchte Pierre wieder die Nähe von Samuel. Sie konnten sich wie früher aufeinander verlassen. Einer vertraute dem anderen. Pierre sorgte sich nach der Veröffentlichung in der Gazette um Samuel.
„Jetzt wissen die Pariser Ganoven, wer ihre Geschäfte stören will. Es wird sie freuen. Warum beginnst du die Mission nicht im Verborgenen?“
„Nein Pierre, sie sollen mich fürchten, sodass Paris eines Tages eine Stadt wird, in der keine Morde mehr geschehen.“ Pierre schüttelt den Kopf.
„Tötungsdelikte aus Paris zu verbannen, hieße der König Louis IV. neigte zur Abstinenz.“
„Gott hilft dem, der Unmögliches anstrebt, du, ein Mann der katholischen Kirche, gibst mir recht, oder? Wenn ich den Tod bei der Erfüllung der Aufgabe finde, erfüllte sich mein Leben. Ich trete erhobenen Hauptes vor Maria.“

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