„Expedition“ von Lutz Schafstädt

Eine Entdeckungsreise in sieben Kurzgeschichten: Intergalaktisch geht es zu, wenn Außerirdische eine Badewanne in den Weltraum beamen. Fantastisch wird es, wenn ein Königreich in den Bann von Dämonen gerät. Ein Kind reagiert mit irrationalen Ängsten auf ein zerrüttetes Familienleben, ein skurrile Liebe steuert auf ein Fiasko zu …

Lutz Schafstädt | Kindle

Aus „Berts große Liebe“
[…]
Er ging auf die andere Straßenseite hinüber, um sich die Fassade des mehrstöckigen Hauses besser betrachten zu können. Hinter welchem Fenster sie wohl wohnte? Vielleicht schaute sie ja einmal heraus. Doch nein, soviel Glück würde er heute nicht haben. Er beschloss, ein wenig die Gegend zu erkunden und spazierte jeweils rund hundert Meter in jede Richtung. Bevor er sich auf den Heimweg machen wollte, ging er noch ein letztes Mal an ihrem Haus vorbei. Da sah er sie! Ganz kurz. Im Erdgeschoss, rechts neben dem Eingang, blickte sie durch einen Spalt ihrer Vorhänge. In dem Moment, als Bert sie erkannte, war ihr Gesicht ganz nah an der Fensterscheibe. Sofort schnellte es wieder zurück, doch dieser Bruchteil einer Sekunde hatte genügt. Sie war es. Und wie kokett! Zweifellos hatte auch sie ihn erkannt und wollte nicht, dass er bemerkte, dass sie nach ihm sah.
Bert spürte sein Herz tanzen. Der große Augenblick war schon sehr nahe. Eine ganz kleine Hürde noch, und eine Liebe würde sie beide umfangen, wie die Welt sie noch nicht gesehen hat! Jetzt nur einen klaren Kopf behalten, sprach er sich Mut zu. Wie konnte er nur dem größten aller Schritte die Sicherheit geben, die ein Straucheln, so kurz vor der Ziellinie, ausschloss?
Auf dem Heimweg spielte er mit dem Gedanken, ihr einen Brief zu schreiben. Ihre Adresse kannte er nun. Oder sollte er ihr einen Blumenstrauß zukommen lassen, von einem unbekannten Verehrer, bei dessen Identität eine Verwechslung natürlich ausgeschlossen war. Oder er könnte an ihrem Fahrrad die Ventile lockern und ihr dann hilfsbereit zu Hand gehen. Oder die Tankstelle würde überfallen, oder sein Auto könnte sich in der Waschanlage verkanten, oder er würde am hellen Tag mit Sprühfarbe ein Herz auf die Glasfassade malen und Katjas Namen hineinschreiben. Bert lachte stumm und konnte sich nicht entscheiden.
[…]

Blick ins Buch (Leseprobe)

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